Zukunftstechnologie Wasserstoff

Die Wasserstofftechnologie spielt eine Schlüsselrolle in der Energiewende. Bilfinger treibt diesen Zeitenwechsel mit integrierten Leistungen voran und hilft Industrieunternehmen dabei, ihre Anlagen und Prozesse auf die Energieversorgung der Zukunft auszurichten.

In seinem 1870 erschienenen Roman „Die geheimnisvolle Insel“ schrieb Jules Verne, dass das Wasser die Kohle der Zukunft sei. Und er prophezeite: Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Wasserstoff und Sauerstoff werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern.

150 Jahre später scheint diese Vision Realität zu werden. Denn um die Energiewende zum Erfolg zu führen, könnte Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen. Wasserstoff macht es möglich, Energie zu speichern und zu transportieren – und damit überall einzusetzen. Wird der Wasserstoff selbst mit Hilfe regenerativer Energie hergestellt („grüner Wasserstoff“), könnte so eine vollständig klimaneutrale Energieversorgung entstehen.

Zahlreiche Initiativen zur Förderung der Wasserstofftechnologie wurden daher in den vergangenen Jahren gestartet. Auch die Europäische Kommission hat auf Basis des European Green Deals eine Wasserstoffstrategie definiert, nachdem bereits einzelne Mitgliedsstaaten nationale Aktions- und Maßnahmenpläne erarbeitet haben. Die derzeitige Dynamik im Markt ist enorm.

Einer der wichtigsten Einsatzbereiche von Wasserstoff ist die Industrie: Bereits seit vielen Jahrzehnten wird er – allerdings überwiegend als grauer Wasserstoff – beispielsweise bei der Reformierung von Erdöl und der Herstellung von Ammoniak sowie Methanol eingesetzt. Gelingt es, den grauen Wasserstoff zukünftig durch grünen Wasserstoff zu ersetzen, könnten die heutigen CO2-Emissionen bei diesen Prozessen drastisch gesenkt werden. Darüber hinaus könnte grüner Wasserstoff auch für eine klimaneutrale Herstellung von Stahl eingesetzt werden. Auch prozessbedingte Emissionen anderer Industrien, beispielsweise der Chemie- oder Zementindustrie, lassen sich mit Hilfe von grünem Wasserstoff dekarbonisieren.

Um die Wasserstofftechnologie mit all ihren Vorteilen nutzen zu können, müssen jedoch die bestehenden Infrastrukturen – sowohl bei den Energieversorgern als auch bei den Energieverbrauchern – angepasst werden. Hierzu bietet Bilfinger seinen Kunden ein breites Spektrum an Leistungen: So unterstützt Bilfinger nicht nur bei der Herstellung von Wasserstoff, sondern auch bei der Lagerung und Lieferung bis hin zu seiner Nutzung. Eigens entwickelte Produkte und Dienstleistungen sorgen dafür, dass Wasserstoff industriell hergestellt, gespeichert, transportiert und am Einsatzort bereitgestellt werden kann.

„Als größter Industriedienstleister Europas können wir Leistungen entlang der gesamten Wasserstoff- Wertschöpfungskette erbringen“, sagt Tom Blades, Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE. „Bereits heute sind wir in zahlreichen Projekten und Prozessen zur Nutzung von Wasserstoff eingebunden und erbringen für unsere Kunden Beratungs- und Engineeringleistungen, den Anlagenbau sowie Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten. Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft. Wir werden daher künftig unser Leistungsspektrum in diesem Bereich weiter deutlich ausbauen.“

Zwischen der Wasserstofftechnologie und den Themenfeldern Erneuerbare Energie, Power-to-Gas, CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie vielen weiteren gibt es zahlreiche Überschneidungen. „Unser Ansatz ist es, unseren Kunden möglichst alles aus einer Hand zu bieten“, so Blades. „Daher sind unsere Aktivitäten rund um Wasserstoff in unser Leistungsspektrum ‚Energy Transition‘ eingebunden. So gewährleisten wir, dass stets integrierte, zukunftsweisende Lösungen für unsere Kunden entstehen.“

Wasserstoff – und seine Farben

Grüner Wasserstoff: Wird über Elektrolyse von Wasser mit Hilfe erneuerbarer Energien herstellt (zurzeit ca. 4 % der Wasserstoffproduktion weltweit).

Grauer Wasserstoff: Wird durch Dampfreformierung, partielle Oxidation oder Vergasung von fossilen Brennstoffen hergestellt (aktuell ca. 95% der gesamten Wasserstoffproduktion weltweit).

Blauer Wasserstoff: Grauer Wasserstoff, bei dem die entstehenden CO2-Emissionen abgeschieden und gespeichert werden.

Türkiser Wasserstoff: Wird über thermische Spaltung von Methan hergestellt.

Veröffentlicht in Ausgabe 03.2020


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Drei Fragen an Ulrich Trebbe

Ulrich Trebbe ist Leiter Vertrieb H2 bei Bilfinger EMS


Herr Trebbe, welche Bedeutung wird grüner Wasserstoff Ihrer Meinung nach in Zukunft haben?

Grüner Wasserstoff wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Er wird eine wesentliche Säule sein, um unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, sowohl in industriellen Anwendungen als auch in unserem Alltag. Wir befinden uns aktuell erst am Anfang dieser Entwicklung. Aber es gibt bereits Projekte, die im industriellen Maßstab einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emmissionen, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, leisten werden. In absehbarer Zeit wird Wasserstoff aus nicht fossilen Quellen ein alltäglicher Brennstoff sein, wie es heute Erdgas ist.

Wie kann Bilfinger seine Kunden in der Wasserstofftechnologie unterstützen?

Bilfinger begleitet Kunden schon heute in der Entscheidungsfindung zur Investition in grünen Wasserstoff. Bereits in frühen Phasen des Engineering können wir dabei helfen, die richtigen Technologien auszuwählen und in die Kundensysteme einzubinden. Nach der Investitionsentscheidung begleiten wir unsere Kunden in der Ausführung oder übernehmen die volle Verantwortung für Turnkey-Projekte. Wir betreuen die Kunden auch nach der Inbetriebnahme und kümmern uns um die Wartung oder bei Bedarf um den Betrieb der Anlagen.

Worin sehen Sie hierbei die besondere Kompetenz von Bilfinger?

Bilfinger ist in vielen Ländern der Welt präsent und dadurch immer nah am Kunden. Das ist insbesondere für den langjährigen Betrieb der Anlagen erforderlich. Durch unsere umfangreichen Maintenance-Erfahrungen fließt bereits im Engineering wichtiges Know-how in das Anlagendesign ein. So können wir die Betriebskosten auf ein Minimum reduzieren. Darüber hinaus verstehen wir uns als Systemintegrator und binden die Wasserstofferzeugung in bestehende Kundenanlagen ein.

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