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Pilotanlage: Industrielle Trocknung von Wasserstoff

Bevor Wasserstoff verstromt oder in das Transportnetz eingespeist werden kann, muss er getrocknet werden. Doch wie lässt sich Wasserstoff industriell am besten trocknen? Und welche technischen Vorrichtungen sind dafür notwendig? Eine Demonstrationsanlage, die von Bilfinger derzeit entwickelt und errichtet wird, soll diesen Fragen auf den Grund gehen. 

Um Wasserstoff zu trocknen, gibt es grundsätzlich eine Vielzahl von Verfahren. Zu unterscheiden sind beispielsweise das Absorptions-, das Adsorptions-, das Kondensations- und das Membrantrennverfahren. Nicht klar ist jedoch, welches Verfahren für eine industrielle Trocknung von Wasserstoff die größten Vorteile bietet, um diesen anschließend problemlos verstromen oder in das Transportnetz einspeisen zu können. Außerdem liegen bislang nur wenige Erfahrungen bei der Konstruktion und Fertigung von großen Anlagen zur industriellen Wasserstofftrocknung vor. 

Gemeinsam mit dem Institut für Thermodynamik der Leibniz Universität Hannover und EWE Gasspeicher wirkt Bilfinger daher an einem Forschungsprojekt zur Wasserstofftrocknung mit. Das Ziel: eine Demonstrationsanlage zu errichten, mit der Wasserstoff großtechnisch und hoch wirtschaftlich getrocknet werden kann. Das Projekt wird vom Bundesland Niedersachen gefördert und gilt als ein wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie.

Trocknung durch Absorbtion

Die Demonstrationsanlage wird derzeit bei Bilfinger Engineering & Maintenance am Standort Cloppenburg entwickelt und errichtet. Sie basiert auf einem innovativen Verfahren, mit dem Wasserstoff mittels einer geeigneten Waschflüssigkeit durch Absorption von Feuchtigkeit getrocknet wird. Dabei kommen Bilfinger seine langjährigen Erfahrungen bei der Entwicklung von Erdgasanlagen zugute. Denn bei diesen kommen sehr ähnliche Verfahren zum Einsatz. Sie bewähren sich seit Jahrzehnten durch ihre hohe Zuverlässigkeit und Effizienz.

Die Anlage soll Anfang 2023 in das brandenburgische Rüdersdorf geliefert werden. Dort wird sie zunächst umfassend getestet und anschließend in die von EWE Gasspeicher geplante Anlage zur Wasserstoffspeicherung integriert. Ziel ist es, dass durch diese Anlage Wasserstoff ähnlich flexibel zur Energieversorgung beitragen kann wie heute Erdgas. Die wissenschaftliche Begleitung dieses Projektes übernimmt das Institut für Thermodynamik der Leibniz Universität Hannover.

Meilenstein für eine effiziente Wasserstoffwirtschaft

„Die Umsetzung dieses Projektes ist ein großer Schritt für die Energiewende“, sagt der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies. „Dezentrale Wasserstofftrocknung durch Absorption für Gasspeicher und Netzeinspeisung ist ein wesentlicher Schritt für die Wasserstoffwirtschaft. Mit dieser Technologie kann der Wasserstoff großtechnisch ökonomisch behandelt werden, und das ermöglicht die Integration von erneuerbaren Energien in unser Energiesystem. So kann der mithilfe von Wind- und Solarstrom erzeugte Wasserstoff oder der demnächst in Kavernen gespeicherte Wasserstoff in das Transportnetz eingespeist werden.“

Mit dieser innovativen Entwicklung nutzen wir unsere Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, in denen wir Erdgastrocknungsanlagen in ganz Europa gebaut haben, nun für die Energiewende durch grünen Wasserstoff."

Karsten HoffhausChief Operation Officer der Bilfinger Engineering & Maintenance GmbH
Ihr Kontakt bei Fragen:
Ulrich Trebbe
Leiter Vertrieb des Geschäftsbereiches Engineering und Anlagenbau
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