EPR2: Ein optimierter Reaktor

In Frankreich wird ein großer Teil der Energie mit Kernkraft erzeugt. Doch viele der Reaktoren sind in die Jahre gekommen. Sie sollen ersetzt werden – durch eine neue Reaktorversion.

Im Auftrag von EDF (Électricité de France) beschäftigt sich seit 2011 ein Team von Experten aus mehreren Unternehmen – gemeinsam mit EDF – mit der Entwicklung eines neuen EPR. Zu diesem Team gehören auch zehn Ingenieure von Bilfinger. Leiter dieses Teams ist Gilles Maes, Geschäftsführer von Bilfinger Peters Engineering. 

„Als das Projekt startete, ging es zunächst nur darum, den EPR an verschiedenen Stellen zu verbessern“, erinnert sich Maes. „Der EPR sollte günstiger, einfacher und vor allem noch sicherer werden. Doch je mehr Ideen im Verlauf der Diskussionen entstanden, desto deutlicher wurde: Wir arbeiten nicht an einer Verbesserung des EPR, sondern an einer Weiterentwicklung – dem EPR2.“ 

Der EPR2 wird eine optimierte Version des jetzigen EPR sein. Er wird alle bewährten Elemente und auch die grundlegende Konstruktion seiner Vorgängerversion übernehmen. Aber er wird die in den vergangenen Jahren gesammelten Erfahrungen – insbesondere mit Blick auf Sicherheits- und Umweltaspekte – und die zukünftigen Anforderungen an Nuklearreaktoren durch eine entsprechend veränderte Bauweise berücksichtigen.

Zu diesen neuen Anforderungen zählt auch der Energiemix, der sich durch den steigenden Anteil an erneuerbaren Energien in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat. Um dieser neuen Konstellation gerecht zu werden, wird viel Wert auf eine hohe operative Flexibilität des Reaktors gelegt.

Darüber hinaus sollen modernste Verfahren und Fertigungstechnologien zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die Bauzeit und die Kosten der Fertigung signifikant zu reduzieren. Daher wird EPR2 im Vergleich zu seiner Vorgängerversion ein vereinfachtes Design haben, das eine serielle Fertigung ermöglicht. Darüber hinaus sollen viele Bestandteile des EPR2 vorgefertigt werden können, so dass diese am Einsatzort schnell montiert werden können.


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Drei Fragen an Gilles Maes

Gilles Maes ist Geschäftsführer von Bilfinger Peters Engineering SARL.


Worin unterscheidet sich EPR2 von seiner Vorgängerversion?

Da wir die Erfahrungen der vergangenen Jahre – einschließlich der Ereignisse in Fukushima – berücksichtigt haben, wird der EPR2 zum einen noch sicherer werden. Zum anderen steigern wir seine operative Flexibilität und verringern die Kosten seiner Errichtung. Durch eine weiterentwickelte Konstruktion erleichtern wir den Bau, ermöglichen eine Vorfertigung vieler Bestandteile und setzen auf die Effekte einer Standardisierung. Außerdem kommen natürlich neueste digitale Technologien zum Einsatz.

Wann werden die neuen Reaktoren zum Einsatz kommen?

Geplant ist, dass die ersten neuen Reaktoren 2030 fertiggestellt sind. Sie sollen in Frankreich sechs ältere Reaktoren an drei Standorten ersetzen. Ob dies tatsächlich so umgesetzt wird, ist jedoch von der Entscheidung der französischen Regierung abhängig, die sich hierzu im kommenden Jahr oder spätestens 2022 verständigen will.

Was leistet Bilfinger bei der Entwicklung des EPR2?

Wir unterstützen seit Beginn des Projekts und waren zunächst mit dem Conceptional Design beschäftigt. Mittlerweile sitzen wir am Basic Design. Gemeinsam mit anderen Experten arbeiten wir momentan am Balance of Nuclear Island, also am Herzstück eines Kernkraftwerks, und am Balance of Plants, den unterstützenden Komponenten. Im Laufe des Jahres 2021 soll mit der Detailplanung begonnen werden.

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