Echte Lösungen aus digitalen Welten: Die HoloSuite

Überwältigend – anders lässt sich ein Besuch in der Microsoft HoloSuite kaum beschreiben. Die HoloSuite liegt im Gewerbegebiet des Flughafens Schiphol in Amsterdam, einem Standort von Microsoft. Die 360-Grad-Projektionen im Raum lassen den Besucher in andere Dimensionen eintauchen. Hier arbeitet Bilfinger zusammen mit Wortell und Microsoft an der digitalen Transformation der Industrie.


Die HoloSuite ist Teil eines Kundenerlebniscenters und präsentiert prototypische Anwendungen, die in Zusammenarbeit von Microsoft mit Kunden und Partnern entstanden sind. Zum Beispiel eine Apparatur, die Avocados auf einem Förderband per Scanvorgang auf Reife und Aussehen prüft, um eine schnelle und perfekte Sortierung zu ermöglichen. Ebenfalls erleben kann man ein von der niederländischen Behörde Rijkswaterstaat und BAM Infra entwickeltes System, das mithilfe intelligenter Kameras und künstlicher Intelligenz die Verkehrssicherheit erhöhen soll. Und das ist nur ein Ausschnitt der vielschichtigen Aspekte. Eine vergleichbare, wenn auch kleinere Erlebniswelt gibt es sonst nur noch am Microsoft­Hauptsitz in Redmond.

Die HoloSuite ist ein großer Raum, in dem alle Wände als Videobildschirm dienen und eine lebens­ echte Umgebung rings um den Betrachter projizieren. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch nicht darin, die Besucher zu unterhalten. „Wir nutzen diesen Raum, um gemeinsam mit unseren Kunden neue Anwendungen für eine Optimierung ihrer Betriebsabläufe zu entwickeln“, erklärt Patrick van Loon. Als Industry Executive von Microsoft Western Europe betreut er Kunden aus der Fertigungsindustrie. „Die Aufgabe unseres Teams besteht darin, eine Verbindung zwischen Microsoft und der täglichen Arbeit unserer Kunden herzustellen. Statt auf Hilfeanfragen zu warten, wählen wir einen proaktiven Ansatz: Wir suchen das Gespräch mit Unternehmen und erkundigen uns nach Problemen, die ihnen zu schaffen machen. Erst dann überlegen wir gemeinsam mit Branchenexperten, welche IT­ Lösung zur Behebung der Problematik am besten geeignet ist.“

Unternehmen mit Weitblick

Bei der Entwicklung setzt Microsoft auch auf die Expertise von Partnern. Ein solcher ist das niederländische IT-­Unternehmen Wortell. Danny Burlage ist Geschäftsführer, Gründer und Eigentümer. „Wir sind Partner von Microsoft, aber auch von Bilfinger Industrial Services. Gemeinsam erarbeiten wir innovative Lösungen, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen oder zu verbessern. Dabei beweist Bilfinger viel Weitblick: Dieser Partner schaut sich den Markt, mögliche Lösungen und neue Technologien ganz genau an. Indem das Unternehmen passgenau auf die Anforderungen seiner Kunden reagiert, verschafft es sich einen relevanten Wettbewerbsvorteil und ist anderen Unternehmen der Branche damit einen wichtigen Schritt voraus. Aktuell arbeiten wir mit Bilfinger an einem neuen Konzept für den Gerüstbau. In der HoloSuite zeigen wir eine naturgetreue Fabrikumgebung, und mit der HoloLens projizieren wir dann eine visuelle Anleitung zur Errichtung des idealen Gerüsts. Die Einbeziehung der HoloLens ermöglicht eine Kombination aus Realität und projizierter Vision. In der Projektion zeigen wir die Bereiche, an denen die Gerüstträger zu errichten sind. Wir erklären aber auch, warum das Gerüst hier notwendig ist und weshalb der Aufbau auf eine ganz bestimmte Art und Weise erfolgen muss.“


 

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Das Bilfinger-­Projekt ist nur eines von vielen Beispielen. Und die Liste wird immer länger. Van Loon: „An der Vielzahl unterschiedlicher Projekte in der HoloSuite sieht man, was alles möglich ist. Ein weiteres aktuelles Projekt betrifft das Walzwerk eines großen Stahlproduzenten. Hier haben wir die Filmaufnahme aus einem Stahlunternehmen mit einem Bild überblendet, um zu zeigen, an welchen Positionen sich Sensoren befinden und wo folglich überall Informationen gesammelt werden – und welche Steuerungsinformationen im Kontrollraum sich daraus ableiten lassen. So kann ohne Verzug eingegriffen werden, wenn es zu Unregelmäßigkeiten bei der Stahlfertigung kommt, selbst wenn sie nur minimal sind.“
 

Herausforderndes Umfeld

Immer noch hegen manche Unternehmen neuen Technologien gegenüber eine gewisse Zurückhaltung. Das beobachtet auch van Loon: „Und das mitunter aus sehr guten Gründen“, sagt er. „Die Umsetzung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen in einer realen Werksumgebung ist eine Herausforderung. Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Projekt sollten Produktfehler per Bilderkennung identifiziert werden. Die Bilder wurden in 4K-­Auflösung aufgenommen; das ist viermal schärfer als Full HD. Die Folge war eine Überlastung des Datennetzes. Derartige praxisbezogene Probleme werden derzeit noch nicht ausreichend berücksichtigt. Genau wie die Frage, ob wirklich alles in die Cloud gehört. Natürlich bietet die Cloud eine Vielzahl von Möglichkeiten, die wir vorher nicht kannten. Aber manchmal ist eine lokale Speicherung die bessere Option – dafür gibt es genügend Beispiele.“

Die Umsetzung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen in einer realen Werksumgebung ist eine Herausforderung.

Patrick van Loon, Industry Executive Microsoft Western Europe

Intelligent Edge

Burlage ergänzt: „Microsoft hat in letzter Zeit viel Mühe darauf verwendet, Rechenkapazität auf lokale Geräte zu verlagern. Wir bezeichnen das als Intelligent Edge. Es versteht sich von selbst, dass man umfangreiche Datenspeicher und Rechenkapazität in die Cloud stellt. Es gibt aber auch Geräte, die Rechenkapazität direkt vor Ort benötigen. In bestimmten Situationen möchte man nicht von der Cloud abhängig sein. Immerhin könnte es zu Verbindungsschwierigkeiten mit Cloud­Diensten kommen, zum Beispiel bei schwachem Mobilfunkempfang. Denken Sie nur an selbstfahrende Autos: Wenn eine Bremsung erforderlich ist, muss das Fahrzeug die Entscheidung augenblicklich treffen. Da kann nicht erst eine Anfrage in die Cloud gesendet werden.“ Van Loon: „Ähnlich verhält es sich in einer Produktionsumgebung; auch da will man sofort eingreifen, wenn etwas nicht richtig funktioniert. Man braucht also lokale Rechenkapazität, denn geschäftskritische Prozesse dürfen nicht von der Internetverbindung abhängig sein.“

Auch wenn die ungeahnten digitalen Möglichkeiten nicht immer mit den Gegebenheiten in der Praxis vereinbar sind, begeistern die Projekte in der HoloSuite. Van Loon: „Neben den genannten Beispielen sehen wir auch sehr gute Möglichkeiten für Fortbildungen. Mithilfe von Simulationen lassen sich beispielsweise Sicherheitsschulungen durchführen. Sicherheitsmaßnahmen und Schulungen, Prozess­ und Effizienzoptimierung – die HoloSuite bietet vielfältige Möglichkeiten.“
 

Veröffentlicht in Ausgabe 02.2020


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Unsere Kunden sind herzlich zu einem Besuch in der HoloSuite eingeladen.

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Dann wenden Sie sich bitte an Jeff Mansveld

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