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Pilotanlage: „Reverse Coal“: CO2-Emissionen in Kohle zurückverwandeln

Das Fördern und Verbrennen von Kohle gehört zu den größten Verursachern von Treibhausgasemissionen weltweit. Lapwing Estate, ein britischer Lebensmittel- und Landwirtschaftsbetrieb, hat ein Konzept entwickelt, bei dem dieser Prozess umgekehrt wird – und CO2-Emissionen wieder in festen Kohlenstoff umgewandelt werden. Der Name des Konzepts: „Reverse Coal“.

Um Lebensmittel anbauen zu können, werden weltweit Torfmoore entwässert. Dabei kommt es zur Emission von Treibhausgasen in einer Größenordnung von 25 bis 35 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr. Dies entspricht ca. fünf Prozent aller weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen. Lapwing Estate, ein britischer Lebensmittel- und Landwirtschaftsbetrieb in der Grafschaft Nottinghamshire, hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit diesem Problem beschäftigt. Dabei entwickelte das Unternehmen ein Konzept, bei dem erhebliche Mengen an Kohlenstoff gebunden und abgebaut und darüber hinaus Lebensmittel mit messbar positiven ökologischen und sozialen Auswirkungen produziert werden können.

Das Konzept besteht aus vier Kernsystemen: 

1. CO2-Reduzierung und -Abscheidung
Zunächst muss das Land wiederhergestellt werden, um die derzeitigen Emissionen aus degradiertem Torf zu stoppen. Hierzu wird das Land sorgfältig bewirtschaftet und der Grundwasserspiegel angehoben. Dadurch wird eine weitere Oxidation des Torfs verhindert und der Torf kann sich langsam wieder aufbauen. Auf den wiederbefeuchteten Moorflächen werden Weidengebüsche gepflanzt, die auf natürliche Weise CO2 durch Photosynthese reduzieren.

2. CO2-Verarbeitung
Die Biomasse wird im Rotationsverfahren geerntet und auf dem Feld zerkleinert. Nach dem Trocknen werden die Holzschnitzel einer Hochtemperatur-Pyrolyseanlage zugeführt, in der die Biomasse durch thermische Zersetzung abgebaut wird. Dadurch entstehen Biokohle, Wärme und Strom.

3. CO2-Speicherung
Die Biokohle wird unter der Erde vergraben, um eine langfristige, leicht überprüfbare Kohlenstoffbindung zu erreichen („Reverse Coal“).

4. Landwirtschaft in kontrollierter Umgebung
Die Wärme und der Strom werden der Landwirtschaft zugeführt, um eine nachhaltigere Nahrungsmittelproduktion zu ermöglichen und die Ernährungssicherheit zu verbessern. 

Das von Lapwing Estate entwickelte Konzept wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erfolgreich überprüft. Im nächsten Schritt soll nun eine Pilotanlage errichtet werden. Bilfinger UK leistet dabei Unterstützung in den Bereichen technische Planung, Beschaffung und Installation. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die University of Lincoln und dem UK Centre for Ecology and Hydrology. Das Projekt wird vom BEIS, dem britischen Ministerium für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie, im Rahmen der Phase 2 des Programms zur direkten Abscheidung von Luft und anderen Treibhausgasen unterstützt. 

Wir freuen uns sehr, Teil dieses innovativen CO2-Reduzierungsprojekts von Lapwing Estate zu sein und das Design, die Beschaffung und die Montage der Kohlenstoffverarbeitungsanlage zu verantworten. Wir sehen darin eine Chance für die Zukunft sowohl von Bilfinger als auch der Umwelt."

Sandy BonnerExecutive President von Bilfinger UK