Weitere Fortschritte bei Bilfinger, Straffung der Management-Struktur

13.11.2019

  • Markt: zugrunde liegende Märkte stabil
  • Auftragseingang 1 Mrd. €/-7% org.: Timing Aspekte
  • Umsatz 1,1 Mrd. €/+7% org.: anhaltendes Wachstum
  • Bereinigtes EBITA 34 Mio. €/3,1% Marge: deutliche Verbesserung gegenüber Vorjahr
  • Berichtetes Konzernergebnis 6 Mio. €: positiv im Quartal und seit Jahresbeginn
  • Berichteter Free Cashflow 5 Mio. €: über Vorjahr, weitere deutliche Verbesserung für Q4 erwartet
  • Produktivität: zusätzliche Maßnahmen in Umsetzung, >30 Mio. € weitere Einsparungen für 2020
  • Ausblick: 2019 bestätigt, deutliche EBITA-Verbesserung für 2020 erwartet

Der Industriedienstleister Bilfinger verbessert weiter seine Profitabilität und Cash-Generierung. Die Marktnachfrage ist trotz des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds auf hohem Niveau stabil. Das Umsatzwachstum hielt an, gleichzeitig verbesserte sich die bereinigte EBITA-Marge deutlich im Vergleich zum Vorjahresquartal. Konzernergebnis und berichteter Free Cashflow waren positiv. Das Unternehmen erwartet im vierten Quartal weitere signifikante Fortschritte.

Bilfinger bestätigt den Ausblick für 2019, die ersten Indikationen für 2020 lassen eine deutliche weitere Verbesserung der bereinigten EBITA-Marge erwarten.

Das Unternehmen kündigt an, nun die Rolle seiner Zentrale vom "Strategic Operator" zum "Strategic Architect" zu entwickeln. Dies wird die operativen Einheiten zunehmend stärken, sie werden mehr unternehmerische Freiheiten erhalten. Bilfinger wird in diesem Zusammenhang die Zahl der Mitarbeiter in der Zentrale reduzieren. Die E&M-Divisionsstruktur in Europa wird vereinfacht und bestimmte Supportfunktionen werden neu zugeordnet. Dabei geht Bilfinger davon aus, dass die Mitarbeiterzahl bei den Verwaltungs- und IT-Funktionen in Deutschland um rund 200 reduziert wird.

CEO Tom Blades: „In den vergangenen drei Jahren mussten wir aus verschiedenen Gründen einen sehr zentralistischen Management-Ansatz verfolgen. Heute, mit der zunehmenden Reife des Unternehmens, und nachdem HSE-, Compliance- und Risikomanagementprozesse in unserer Kultur verankert sind, ist es an der Zeit, dass die operativen, kundennahen Einheiten das Geschäft vorantreiben."

Bilfinger erwartet, dass all dies die Vertriebs- und Verwaltungskosten bereits im kommenden Jahr um mehr als 30 Mio. € senken wird.

Zusammenfassend beinhalten diese Maßnahmen:

  • Verkleinerung des Vorstands von 4 auf 3 Mitglieder
  • Reduzierung der Stellen in der Konzernzentrale um 40%
  • Wegfall einer Führungsebene in E&M Europe
  • Kürzere Entscheidungswege
  • Transfer von Verantwortlichkeiten von der Zentrale auf die operativen Einheiten
  • Weitergehende Entscheidungsbefugnisse bei den operativen Einheiten
  • Schlankere Berichterstattung der operativen Einheiten an die Zentrale

Tom Blades fügt hinzu: „Unser drittes Quartal belegt, dass wir bei der Umsetzung unserer Strategie kontinuierlich vorankommen. Umso mehr gilt unser ganzes Engagement dem vollständigen Erreichen unserer strategischen Ziele durch eine Kombination aus SG&A-Effizienz und einer verbesserten Umsatzperformance. Damit halten wir an unserer guten Governance fest und befähigen gleichzeitig die operativen Einheiten, weiterhin Umsatz- und Margenwachstum zu erreichen. Bilfinger kehrt somit zurück zu einer leistungs- und ertragsorientierten Kultur."

Der Umsatz stieg im dritten Quartal 2019 weiter um 5% auf 1.101 Mio. € (Vorjahr: 1.052 Mio. €). Das organische Umsatzwachstum betrug 7%. Die Bruttomarge erhöhte sich von 9,5% auf 10,2% und die bereinigte Quote der Vertriebs- und Verwaltungskosten verbesserte sich weiter auf 7,6% (Vorjahr: 8,6%), womit sie unter der aktuellen Run-rate von 8,2% liegt. Das bereinigte EBITA verbesserte sich dadurch deutlich und erreichte 34 Mio. € (Vorjahr: 22 Mio. €). Dies entspricht einer Marge von 3,1% gegenüber 2,1% im Vorjahreszeitraum.

Der Auftragseingang lag mit 997 Mio. € (Vorjahr: 1.105 Mio. €) unter dem Vorjahresniveau. Gründe sind Timing Aspekte bei der Projektvergabe in den USA und Großbritannien (Hinkley Point) sowie eine derzeitige Priorisierung der Projektausführung gegenüber der Neuakquise in Einheiten mit einer Entwicklung unterhalb der Erwartungen. Dementsprechend lag das Book-to-Bill-Verhältnis im dritten Quartal bei 0,9.

Segment Engineering & Maintenance Europe
Engineering & Maintenance (E&M) Europe lieferte erneut eine solide Umsatz- und Ergebnis-Performance. Der Auftragseingang blieb mit 618 Mio. € (Vorjahr: 628 Mio. €) ebenso stabil wie der Umsatz mit 688 Mio. € (Vorjahr: 695 Mio. €). Zwei große Rahmenverträge befinden sich in abschließenden Verhandlungen zur Verlängerung bis Ende dieses Jahres, die Verbuchung der entsprechenden Aufträge steht somit noch aus, mit entsprechendem Zuwachspotenzial im vierten Quartal. Das bereinigte EBITA blieb mit 32 Mio. € (Vorjahr: 33 Mio. €) bei einer unveränderten Marge von 4,7% stabil. Das positive Offshore-Geschäft in der Nordsee und eine erhöhte Anzahl von Großrevisionen in den europäischen Märkten trugen zur soliden Marge bei. Insbesondere hier ist es dem Unternehmen gelungen, sein Bilfinger Turnaround-Konzept über eine wachsende Zahl von Ländern hinweg erfolgreich umzusetzen.

Segment Engineering & Maintenance International
Engineering & Maintenance (E&M) International zeigt vor allem in der Division Nordamerika eine positive Umsatz- und Ergebnis-Performance, wobei Großprojekte in diesem Markt besonders gut voranschritten.

Der Auftragseingang lag aufgrund von Projekterweiterungen auf einem anhaltenden Niveau von 207 Mio. € (Vorjahr: 203 Mio. €), während der Umsatz deutlich auf 238 Mio. € (Vorjahr: 191 Mio. €) anstieg. Das bereinigte EBITA stieg ebenfalls deutlich auf 14 Mio. € (Vorjahr: 3 Mio. €), was einer besonders guten Marge von 5,7% (Vorjahr: 1,8%) entspricht.

Segment Technologies
Technologies (T) zeigte mit einem Anstieg auf 145 Mio. € (Vorjahr: 128 Mio. €) eine anhaltend positive Umsatzentwicklung. Der Auftragseingang ging hingegen auf 88 Mio. € (Vorjahr: 223 Mio. €) zurück. Gründe sind Timing Aspekte bei Projektvergaben, insbesondere in Großbritannien, und eine weiterhin sorgfältige Auswahl neuer Projekte in Einheiten mit einer Entwicklung unterhalb der Erwartungen.

Ein unerwartetes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), das einen Schiedsspruch aus dem Jahr 2017 (Leistung aus 2011) widerrief, führte im dritten Quartal zu einer EBITA-Belastung von -4 Mio. €. Unter Einbeziehung dieses Effekts lag das bereinigte EBITA bei -7 Mio. € (Vorjahr: -3 Mio. €) – noch negativ, aber mit einer Verbesserung gegenüber den zurückliegenden drei Quartalen. Bilfinger erwartet aufgrund der im ersten Halbjahr eingeleiteten Maßnahmen einen positiven EBITA-Beitrag des Segments im vierten Quartal.

Konzernergebnis und Free Cashflow im dritten Quartal positiv
Das Konzernergebnis stieg auf 6 Mio. € (Vorjahr: -1 Mio. €), trotz eines geringeren Finanzergebnisses. Der berichtete Free Cashflow verbesserte sich auf 5 Mio. € (Vorjahr: -15 Mio. €). Für das vierte Quartal 2019 wird ein weiterer signifikanter Mittelzufluss erwartet, der sowohl saisonal als auch durch laufende Initiativen zur Verbesserung des Working Capitals bedingt ist.

Ausblick 2019 und erste Indikationen für 2020
Bilfinger bestätigt seinen Ausblick für das Gesamtjahr 2019. Der Konzern erwartet ein organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich (2018: 4.153 Mio. €). Für das bereinigte EBITA (2018: 65 Mio. €) prognostiziert der Konzern einen deutlichen Anstieg auf mehr als 100 Mio. €. Beim berichteten Free Cashflow rechnet Bilfinger mit einem positiven Wert (2018: -4 Mio. €).

Erste Indikationen für 2020 lassen ein organisch stabiles Umsatzniveau erwarten. Hier wirken sich sowohl die verstärkte Fokussierung auf margenstärkeres Geschäft als auch Verzögerungen bei Großaufträgen aus.

Ein strafferes Betriebsmodell und der geplante Personalabbau werden den jährlichen Vertriebs- und Verwaltungsaufwand bis 2021 auf unter 300 Mio. € senken. Hierfür rechnet das Unternehmen mit Rückstellungen in Höhe von rund 40 Mio. € in 2019 und 2020. Insgesamt werden im nächsten Jahr die SG&A-Einsparungen 30 Mio. € übersteigen und dadurch zur Erreichung der für 2020 geplanten bereinigten EBITA-Marge von rund 4% beitragen, die den Erwartungen der Kapitalmärkte entspricht. Bilfinger wird sich weiterhin von Nicht-Kerngeschäften und margenschwachen Aktivitäten trennen und nach Akquisitionsmöglichkeiten suchen, die das Erreichen des generell bestätigten Ziels einer bereinigten EBITA-Marge von 5% unterstützen. Es wird erwartet, dass dies jedoch erst gegen Ende 2020 auf fortlaufender Basis erreicht wird.

Einen positiven Free Cashflow sicherzustellen, wird auch im Jahr 2020 Priorität haben.

Weitere Angaben zu den Erwartungen für 2020 und die Folgejahre, einschließlich mittelfristiger Ziele, werden auf der nächsten Jahrespressekonferenz und dem Capital Markets Day (13. Februar 2020) vorgestellt. Zu diesem Anlass werden auch die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht.

 

Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €
  Q3 GJ
  2019 2018 ∆ in % 2018
Auftragseingang 997 1.105 -10
(org: -7)
4.459
Auftragsbestand 2.620 2.828 -7
(org: -5)
2.818
Umsatz 1.101 1.052 5
(org: 7)
4.153
EBITDA bereinigt 62 39 59 130
EBITA bereinigt 34 22 53
(org: 57)
65
EBITA-Marge bereinigt
(in %)
3,1 2,1   1,6
EBITA 25 11 116 -7
Bereinigtes Konzernergebnis 17 12 35 36
Bereinigtes Ergebnis je Aktie
(in €)
0,42 0,30 40 0,87
Konzernergebnis 6 -1   -24
Operativer Cashflow 18 2 870 50
Bereinigter Operativer Cashflow 33 11 197 110
Free Cashflow 5 -15   -4
Bereinigter Free Cashflow 20 -6   56
Investitionen in Sachanlagen 15 18 -17 66
Mitarbeiter
(Anzahl zum Stichtag)
35.214 35.925 -2 35.905