"Kontinuierliche Verbesserung beginnt in den Köpfen"

27.11.2017

Ein Gastkommentar von Dr. Klaus Patzak, Finanzvorstand der Bilfinger SE

Stillstand ist Rückschritt. Ein Unternehmen, das langfristig erfolgreich im Markt bestehen will, muss sich ständig verbessern. Und zwar nachhaltig, Tag für Tag. Als Leitplanken und übergeordnete Klammer können dabei Verbesserungsprogramme fungieren, insbesondere bei Unternehmen im Umbruch. Damit einher geht im Idealfall ein von innen heraus gestalteter nachhaltiger Kulturwandel. Denn kontinuierliche Verbesserung ist vor allem eine Frage der Einstellung und beginnt im Kopf eines jeden Mitarbeiters – angefangen bei der Unternehmensleitung, die das Streben nach Verbesserung greifbar vorleben muss.

Grundsätzlich sollten Verbesserungsprogramme gleichzeitig auf zwei Bereiche zielen: die kontinuierliche Maximierung des Kundennutzens und die Minimierung des Einsatzes eigener Ressourcen. Kunden wählen die Dienstleistungen und kaufen die Produkte, von denen sie sich den höchsten Mehrwert erwarten. Bei Bilfinger versprechen wir unseren Kunden niedrigere Instandhaltungskosten, Effizienzgewinne beim Betrieb sowie geringere Emissionen. Dabei setzten wir auf unser selbst entwickeltes modulares Instandhaltungskonzept und Digitalisierungslösungen, die zu Kosteneinsparungen beim Kunden führen.

Auf der anderen Seite muss der eigene Ressourceneinsatz ständig optimiert werden, um Kostensteigerungen und Preisverfall entgegenzuwirken. Ein Beispiel ist die Nutzung von mit Kameras bestückten Drohnen bei der Instandhaltung von Offshore-Anlagen. Durch die gelieferten Aufnahmen lassen sich Korrosionsschäden schnell erkennen und, unter Zuhilfenahme von Wärmebildern, auch undichte Stellen an Dichtungen oder Leitungen aufspüren. Und das in schwer zugänglichen Bereichen. Das ist nicht nur effizient, es führt auch zu einem reduzierten Verletzungsrisiko der Mitarbeiter. Und den Kunden kann transparent und qualitativ hochwertig der Zustand ihrer Anlagen aufgezeigt werden.

Kontrolle der Maßnahmen

Die Palette der in einem Verbesserungsprogramm enthaltenen Maßnahmen umfasst also sowohl produktivitäts- und effizienzsteigernde Elemente, wie beispielsweise Verbesserungen interner Abläufe, als auch Wachstumsinitiativen. Wichtig ist, jede einzelne Maßnahme mit konkreten Zielen und Meilensteinen zu untermauern und den Fortgang kontinuierlich zu überprüfen. Dadurch kann frühzeitig nachgeschärft werden, sollte sich der Fortschritt bei einer Maßnahme nicht so einstellen wie ursprünglich erwartet.

Dieses Maßnahmen-Controlling muss dabei sehr eng mit dem Finanzcontrolling verbunden sein. Denn dadurch werden nicht nur die einzelnen Ergebnisbeiträge messbar und eindeutig zuordenbar. Es entsteht zugleich ein zusätzlicher Frühwarnindikator hinsichtlich der künftigen Geschäftsentwicklung. Eine enge Verzahnung von Maßnahmen- und Finanzcontrolling führt damit auch zu einer Verbesserung der Vorschaugenauigkeit in der Finanzplanung. Und falls Maßnahmen hinter den ursprünglichen Zielvorgaben liegen, kann rechtzeitig gegengesteuert werden.

Vier entscheidende Faktoren

Entscheidend für den Erfolg eines Verbesserungsprogramms sind im Wesentlichen vier Faktoren: Erstens muss die Belegschaft von der Notwendigkeit und den Potenzialen eines Verbesserungsprogramms überzeugt werden. Das Ziel ist letztlich nicht eine bloße Kosteneinsparung. Erfolgreiche Programme schaffen finanziellen Spielraum für Innovationen und Wachstum. Zweitens müssen mit den Verantwortlichen ambitionierte Ziele vereinbart werden. Wichtig ist drittens die Ableitung von Maßnahmen, auch über systematisches Benchmarking, und wie bereits erwähnt die Festlegung konkreter und überprüfbarer Meilensteine. Und viertens müssen erfolgreich umgesetzte Maßnahmen natürlich auch gewürdigt werden – nicht nur, aber auch monetär.

Veränderung der Kultur

Das laufende Verbesserungsprogramm bei Bilfinger umfasst einerseits Großprojekte, wie etwa die Harmonisierung der IT-Landschaft, die sich positiv auf Kosteneffizienz und Durchlaufzeiten auswirken wird. Solche Projekte sind an ein Projektteam delegiert, das den Fortschritt regelmäßig gemeinsam mit dem Top-Management überprüft. Genauso wichtig sind aber die vielen kleineren Ideen, die innerhalb eines Konzerns eingebracht werden. Denn dadurch entfaltet kontinuierliche Verbesserung ihre wahre Kraft.

Ein Beispiel dafür ist die bei Bilfinger angestoßene Harmonisierung des Fuhrparkmanagements. Bislang haben in Europa knapp zwanzig Leasingpartner Firmenfahrzeuge für das Unternehmen zur Verfügung gestellt. Durch die europaweite Bündelung und die gleichzeitige Standardisierung erreichen die Kollegen ein wesentlich größeres Einkaufsvolumen und können damit weitaus bessere Konditionen verhandeln. Wir haben auch eine Maßnahme aufgesetzt, um mehr Kleinteilebeschaffungen über eine internetbasierte Einkaufsplattform abzuwickeln. Hieraus lassen sich erhebliche Effizienzgewinne erzielen.

Schwungrad-Effekt

Letztlich ist das Hauptziel eines Verbesserungsprogramms eine nachhaltige Veränderung der Unternehmenskultur. Dies bedarf am Anfang eines Programms einer großen Anstrengung, um das Rad buchstäblich in Bewegung zu setzen. Mit zunehmender Verankerung im Unternehmen kommt es aber zu einem „Flywheel“-Effekt, den Jim Collins eindrucksvoll beschrieben hat: Das Schwungrad dreht sich gleichsam von selbst. Beständig werden neue Ideen generiert, in Maßnahmen umgesetzt und ergebniswirksam gemacht. Kontinuierliche Verbesserung, die messbar ist.

Quelle: Börsen-Zeitung vom 24.11.2017