Finanzergebnisse Q3 2021

11.11.2021

Bilfinger liefert erneut gutes Quartalsergebnis und ist auf bestem Weg, die Jahresziele für 2021 zu erreichen

  • Märkte: Insgesamt positives Umfeld, etwas Gegenwind durch Inflation und Engpässe in der Lieferkette auf Kundenseite
  • Auftragseingang 917 Mio. €/+31% org: Starker Anstieg in allen Segmenten im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal
  • Umsatz 945 Mio. €/+12% org: Wachstum in allen Segmenten
  • Bereinigtes EBITA 51 Mio. €/5,4% Marge: Operatives EBITA im Rahmen der Erwartungen, zusätzlich Gewinne aus Grundstücksverkäufen
  • Berichtetes Konzernergebnis 41 Mio. €: Deutlich über Vorjahr
  • Berichteter Free Cashflow 73 Mio. €: Gute Cash-Performance durch verbesserte Net Trade Assets gegenüber Q2
  • Ausblick 2021 leicht angehoben: Bereinigte EBITA-Marge wird das Vorkrisenniveau von 2019 übertreffen und leicht über 3 Prozent liegen
  • Neuer CEO: Thomas Schulz übernimmt zum 1. März 2022 den Vorstandsvorsitz

Bilfinger hat seine positive Entwicklung auch im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2021 fortgesetzt. Der Konzern hat Auftragseingang und Umsatz im Vergleich zum Vorjahr stark gesteigert und dabei ein gutes Ergebnis sowie gute Cashflows erzielt. Die Segmente Engineering & Maintenance (E&M) Europe und Technologies entwickeln sich weiter positiv und liegen im Rahmen der Erwartungen, der Fortschritt in E&M International verläuft allerdings langsamer als erwartet. Die besonders starke bereinigte EBITA-Marge basiert auf einer guten operativen Leistung und beinhaltet zusätzlich Gewinne aus der Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen Grundstücken. Bilfinger hat seinen Ausblick für die bereinigte EBITA-Marge daher leicht angehoben: Sie wird voraussichtlich das Vorkrisenniveau von 2019 übertreffen und im Geschäftsjahr 2021 leicht über 3 Prozent liegen (bisher: Marge von ~3 Prozent).

Trotz der insgesamt guten Marktnachfrage sehen sich einige Kunden aufgrund von Engpässen in der Lieferkette zunehmenden Herausforderungen bei der Ausführung ihrer Projekte gegenüber. Hinzu kommen Inflationssorgen.

"Das Ergebnis des dritten Quartals ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, sowohl unsere Jahresziele als auch unsere mittelfristigen Ziele zu erreichen. Es bestehen weiterhin Herausforderungen auf unseren Märkten und für unser Geschäft. Dies gleichen wir aus, indem wir unser Geschäft erfolgreich weiterentwickeln und neue Chancen nutzen", erläutert Christina Johansson, Interim-CEO und CFO. "Insbesondere die Energiewende und die Nachfrage nach Lösungen zur Begrenzung des Klimawandels bieten zunehmend neue Wachstumsimpulse für Unternehmen wie das unsere."

Der Aufsichtsrat der Bilfinger SE hat Thomas Schulz (56) zum CEO mit Wirkung zum 1. März 2022 bestellt. Thomas Schulz verfügt über langjährige Managementerfahrung in börsennotierten Industriekonzernen und ist seit 2013 Group CEO von FLSmidth. Mit der Strategie „Mission Zero“ werden dort den energieintensiven Kundenindustrien von dem Unternehmen Lösungen geboten, um sich nachhaltig und gleichzeitig langfristig mit profitablem Wachstum aufzustellen. Vor seiner Zeit bei FLSmidth war Thomas Schulz für dreizehn Jahre bei SANDVIK AB, Stockholm, in verschiedenen internationalen Positionen und zuletzt als President SANDVIK Construction und Senior Vice President SANDVIK AB tätig. Thomas Schulz hat in seiner Karriere insbesondere mehrfach erfolgreich Strategien zum nachhaltigen profitablen Wachstum seiner Unternehmen entwickelt und umgesetzt. Hierbei setzte er das Augenmerk ausdrücklich vor allem auf die Mitarbeiterentwicklung und Kundenorientierung.

Wie bereits im August 2021 bekannt gegeben, verfügt Bilfinger über überschüssiges Kapital aus dem Verkaufserlös seiner Beteiligung an Apleona, dem ehemaligen Facility Services Geschäft des Unternehmens. Die Verwendung des Überschusskapitals beinhaltet die bereits im Oktober 2021 vorgenommene vorzeitige Ablösung ausstehender Tranchen von Schuldscheindarlehen in Höhe von 109 Mio. €. Darüber hinaus werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2022 eine Sonderdividende von 3,75 € je Aktie vorschlagen. Dies entspricht einer Ausschüttung an die Aktionäre von rund 150 Mio. €, zusätzlich zur regulären Dividende für das Geschäftsjahr 2021. Ferner werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2022 vorschlagen, eine neue Ermächtigung zum Aktienrückkauf im Volumen von maximal 10 Prozent zu erteilen. Auf Basis der erwarteten Geschäftsentwicklung soll sodann im Sommer 2022 ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 100 Mio. € starten.

In diesem Zusammenhang hat der Vorstand nun beschlossen, eigene Aktien im Umfang von 7,2 Prozent einzuziehen. Dieser Einzug wurde mit der Zustimmung des Aufsichtsrats am 9. November 2021 wirksam. Die Gesamtzahl der ausstehenden Aktien der Bilfinger SE beläuft sich nun auf 41.037.328.

Entwicklung des Konzerns im dritten Quartal 2021

Bilfinger steigerte den Auftragseingang im dritten Quartal 2021 auf 917 Mio. € (Vorjahr: 710 Mio. €), dies entspricht einem sehr guten organischen Wachstum von 31 Prozent. Grundlage war ein deutliches Wachstum in allen Segmenten im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal, das noch stark von der COVID-19-Pandemie beeinflusst war. Der Auftragsbestand wuchs organisch um 14 Prozent auf 2.821 Mio. € (Vorjahr: 2.458 Mio. €). Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill-Verhältnis) lag in den ersten neun Monaten 2021 bei 1,07.

Der Konzernumsatz wuchs organisch um solide 12 Prozent auf 945 Mio. € gegenüber einem schwachen Vorjahresquartal (870 Mio. €). Die Bruttomarge verbesserte sich mit 11,3 Prozent (Vorjahr: 10,2 Prozent) deutlich, ebenso wie das Bruttoergebnis, das auf 106 Mio. € (Vorjahr: 89 Mio. €) anstieg. Die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten waren mit 70 Mio. € (Vorjahr: 69 Mio. €) weitgehend unverändert und lagen damit unter dem erwarteten Wert. Dies ist auch auf Einmaleffekte wie geringere Reisekosten aufgrund von COVID-19 zurückzuführen. Die bereinigte Quote der Vertriebs- und Verwaltungskosten belief sich gemessen am Umsatz auf 7,5 Prozent (Vorjahr: 7,9 Prozent).

Bilfinger erzielte ein bereinigtes EBITA von 51 Mio. € (Vorjahr: 23 Mio. €), was einer bereinigten EBITA-Marge von 5,4 (Vorjahr: 2,7) Prozent entspricht. Dabei fielen zusätzlich zur guten operativen Entwicklung auch Gewinne aus Verkäufen von nicht betriebsnotwendigen Grundstücken in Höhe von 18 Mio. € an. Das berichtete EBITA fiel mit 54 Mio. € (Vorjahr: 0 Mio. €) noch höher aus, da eine insgesamt positive Bereinigung von 3 Mio. € (Vorjahr: -24 Mio. €) infolge eines Veräußerungsgewinns von 8 Mio. € zu verzeichnen war für eine Beteiligung an einem Joint Venture im Oman. Nach den erhöhten Aufwendungen für Restrukturierungen im Jahr 2020 werden für das Gesamtjahr 2021 nur noch geringere Beträge an Sondereinflüssen erwartet.

Segment Engineering & Maintenance Europe

Bei E&M Europe stieg der Auftragseingang um 17 Prozent (organisch 15 Prozent) auf 587 Mio. € im Vergleich zum Vorjahresquartal (501 Mio. €). Das Segment erzielte deutliches Wachstum bei gutem Margenniveau. Der Umsatz stieg um 11 Prozent (organisch 10 Prozent) auf 633 Mio. € (Vorjahr: 571 Mio. €) und das Book-to-Bill-Verhältnis lag im bisherigen Jahresverlauf über dem Wert von 1. Das bereinigte EBITA des Segments verbesserte sich im dritten Quartal auf 35 Mio. € (Vorjahr: 27 Mio. €), dies entspricht einer EBITA-Marge von 5,5 Prozent (Vorjahr: 4,7 Prozent). Hier zeigen sich Erfolge bei der Verringerung der Saisonalität in der Ergebnisentwicklung und bei der weiteren Verbesserung der Auslastung.

Segment Engineering & Maintenance International

Der Auftragseingang bei E&M International stieg deutlich um 41 Prozent (organisch 37 Prozent) auf 116 Mio. € (Vorjahr: 82 Mio. €). Der Umsatz wuchs um 31 Prozent (organisch 32 Prozent) auf 141 Mio. € (Vorjahr: 108 Mio. €). Das bereinigte EBITA war mit -3 Mio. € noch negativ (Vorjahr: -9 Mio. €); die bereinigte EBITA-Marge lag bei -2,4 Prozent (Vorjahr: -8,6 Prozent). Die Fortschritte bei Volumen und Projektabwicklung in Nordamerika zeigen sich derzeit langsamer als erwartet.

Segment Technologies

Technologies steigerte den Auftragseingang erheblich um 90 Prozent (organisch 92 Prozent) auf 170 Mio. € (Vorjahr: 90 Mio. €). Dazu trugen vor allem Abrufaufträge für den Neubau des Kernkraftwerks Hinkley Point C im Vereinigten Königreich bei. Der Umsatz stieg um 3 Prozent (organisch 4 Prozent) auf 141 Mio. € (Vorjahr: 138 Mio. €). Das bereinigte EBITA des Segments betrug 7 Mio. € (Vorjahr: 6 Mio. €), die bereinigte EBITA-Marge verbesserte sich auf 4,7 Prozent (Vorjahr: 4,2 Prozent).

Konzernergebnis gesteigert; gute Cash-Performance auch durch Grundstücksverkäufe

Das Konzernergebnis stieg auf 41 Mio. € (Vorjahr: -19 Mio. €), hierzu trugt neben dem verbesserten EBITA auch eine niedrige Steuerquote bei.

Sowohl der operative Cashflow (65 Mio. €; Vorjahr: 50 Mio. €) als auch der Free Cashflow (73 Mio. €; Vorjahr: 43 Mio. €) haben im Vergleich zum Vorjahresquartal weitere Fortschritte gezeigt. Der Free Cashflow wurde zusätzlich durch Zuflüsse aus den Grundstücksverkäufen gestützt. Bilfinger hat alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um im letzten Quartal des Jahres einen wesentlichen Teil seiner Forderungen in Liquiditätszuflüsse umzusetzen.

Ergebnisausblick 2021 leicht angehoben

Für das Geschäftsjahr 2021 erwartet Bilfinger ein unverändert deutliches Umsatzwachstum (2020: 3.461 Mio. €). Darüber hinaus rechnet der Konzern mit einer deutlichen Verbesserung des bereinigten EBITA (2020: 20 Mio. €). Die bereinigte EBITA-Marge wird infolge des zusätzlichen EBITA-Beitrags aus der Veräußerung nicht betriebsnotwendiger Grundstücke das Vorkrisenniveau des Geschäftsjahres 2019 (2,4 Prozent) übertreffen und leicht über 3 Prozent liegen (vorher: Marge von ~3 Prozent). Dabei wird der Umsatz im Jahr 2021 noch deutlich unter dem Wert von 2019 liegen.

Für E&M Europe erwartet Bilfinger eine deutliche Verbesserung des bereinigten EBITA (2020: 69 Mio. €). Gleiches gilt für Technologies, hier wird für das Geschäftsjahr 2021 ein klar positives bereinigtes EBITA erwartet (2020: -11 Mio. €). Engineering & Maintenance International wird sich gegenüber 2020 (-21 Mio. €) weiter verbessern, wird aber negativ bleiben (vorher: positives bereinigtes EBITA). Für die unter Überleitung Konzern zusammengefassten Positionen rechnet der Konzern hingegen mit einem deutlich über dem Vorjahr liegenden bereinigten EBITA (2020: -18 Mio. €) infolge der Veräußerungsgewinne aus nicht betriebsnotwendigen Grundstücken.

Bilfinger erwartet aufgrund deutlich geringerer Sondereinflüsse eine erhebliche Verbesserung des berichteten Konzern-EBITA (2020: -57 Mio. €).

Der Konzern geht von einem positiven, aber unter dem Vorjahresniveau liegenden Free Cashflow (2020: 93 Mio. €) aus, trotz einer erheblichen Verbesserung des EBITA. Gründe sind ein erhöhter Working Capital Bedarf infolge des geplanten Umsatzwachstums und die Auszahlungseffekte für die im Jahr 2020 umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen.

Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €
  Q3 FY 2020
  2021 2020 in % 2020
Auftragseingang 917 710 29
(org: 31)
3.724
Auftragsbestand 2.821 2.458 15
(org: 14)
2.585
Umsatz 945 870 9
(org: 12)
3.461
Bereinigtes EBITDA 75 49 - 125
Bereinigtes EBITA 51 23 - 20
Bereinigte EBITA-Marge (in %) 5,4 2,7   0,6
EBITA 54 0 - -57
Bereinigtes Konzernergebnis 31 11 - -8
Bereinigtes Ergebnis je Aktie (in €) 0,77 0,27 - -0,20
Konzernergebnis 41 -19 - 99
Operativer Cashflow 60 49 - 120
Bereinigter operativer Cashflow 68 50 - 164
Free Cashflow 73 43 - 93
Bereinigter Free Cashflow 80 44 - 136
Investitionen in Sachanlagen 21 6 - 37
Mitarbeiter (Anzahl zum Stichtag) 29.916 29.375 2 28.893