Finanzergebnisse Q2 2021

11.08.2021

Bilfinger setzt dynamisches Wachstum bei Auftragseingang, Umsatz und Ergebnis fort; Ausblick 2021 leicht angehoben

  • Märkte: Günstige Entwicklungen in den meisten Regionen
  • Auftragseingang 1,061 Mrd. €/+16% org.: Stärkstes Quartal seit über einem Jahr
  • Umsatz 977 Mio. €/+29% org.: Erheblicher Anstieg gegenüber niedrigem Vorjahresniveau
  • Bereinigtes EBITA 26 Mio. €/2,6% Marge: Erfreuliche Entwicklung führt zu leichter Anhebung der Erwartungen für das Gesamtjahr
  • Berichtetes Konzernergebnis 13 Mio. €: Positiv aufgrund des guten operativen Ergebnisses und geringer Sondereinflüsse
  • Berichteter Free Cashflow -43 Mio. €: Nach starkem ersten Quartal unter Vorjahr, erhöhter Working Capital Bedarf aufgrund des Umsatzwachstums
  • Kapitalallokation: Vorzeitige Schuldentilgung (109 Mio. €), Kombination aus Aktienrückkauf und Dividende an die Aktionäre (250 Mio. €) sowie Investitionen in organisches Wachstum und Akquisitionen; Investment-Grade-Ziel betätigt
  • Ausblick 2021 leicht angehoben: EBITA-Marge wird Vorkrisenniveau von 2019 übertreffen und ca. 3 Prozent erreichen

Bilfinger hat im zweiten Quartal 2021 die erfolgreiche Entwicklung seit Jahresbeginn fortgesetzt. Das Unternehmen erzielte einen guten Auftragseingang und eine erfreuliche bereinigte EBITA-Marge von 2,6 Prozent. Das berichtete Konzernergebnis von 13 Mio. € beinhaltet nur noch geringe Sondereinflüsse und spiegelt eine weitgehend normalisierte Geschäftsentwicklung sowie eine Verbesserung der Margen wider. Bilfinger hebt die Prognose für die bereinigte EBITA-Marge leicht an, sie wird im Gesamtjahr das Vorkrisenniveau des Geschäftsjahres 2019 übertreffen und rund 3 Prozent erreichen.

Christina Johansson, Interim-CEO und CFO der Bilfinger SE: „Ich bin sehr zufrieden mit den Fortschritten, die wir im zweiten Quartal 2021 vorweisen können. Die im Jahr 2020 eingeführten Kostensenkungsprogramme zahlen sich nun aus. Insbesondere die Margenverbesserung ist ermutigend. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend im Gesamtjahr fortsetzen wird. Der gestiegene Auftragsbestand ebnet darüber hinaus den Weg für unsere Wachstumsambitionen im kommenden Jahr."

Die hohe Bruttoliquidität zum 30. Juni 2021 beinhaltet den Erlös aus dem Verkauf der Beteiligung an Apleona, dem ehemaligen Facility Services-Geschäft von Bilfinger. Das verfügbare Überschusskapital soll folgendermaßen verwendet werden: 109 Mio. € werden für die vorzeitige Ablösung der ausstehenden Tranchen der Schuldscheindarlehen bereits im Oktober 2021 statt im April 2022 eingesetzt. Darüber hinaus werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2022 eine Sonderdividende von 3,75 € je Aktie vorschlagen. Dies entspricht einer Ausschüttung an die Aktionäre von rund 150 Mio. €, zusätzlich zur regulären Dividende für das Geschäftsjahr 2021. Ferner werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2022 vorschlagen, eine neue Ermächtigung zum Aktienrückkauf im Volumen von maximal 10 Prozent zu erteilen. Auf Basis der erwarteten Geschäftsentwicklung soll sodann im Sommer 2022 ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 100 Mio. € starten. Die starke Bilanz und die erwarteten positiven Free Cashflows in den nächsten Jahren erlauben Bilfinger zudem, mehrere hundert Millionen Euro in organisches Wachstum und ergänzende Akquisitionen zu investieren. Dabei wird Bilfinger den kommunizierten M&A-Kriterien folgen sowie fortlaufend die effektive Nutzung des Kapitals unter Berücksichtigung der Cash-Situation und der finanziellen Performance überprüfen.

„Wir haben uns für einen ausgewogenen Ansatz zur weiteren Verbesserung unserer Kapitaleffizienz entschieden, der gleichzeitig einen attraktiven Return für unsere Aktionäre bietet. Zugleich eröffnet er die Möglichkeit, das Geschäft von Bilfinger zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und damit zusätzlichen Wert zu schaffen – all dies im Einklang mit unserem mittelfristigen Ziel, wieder ein Investment Grade Rating zu erreichen“, erläutert Christina Johansson.

Entwicklung des Konzerns im zweiten Quartal 2021

Bilfinger steigerte im zweiten Quartal 2021 den Auftragseingang auf 1.061 Mio. € (Vorjahr: 931 Mio. €), das entspricht einem sehr guten organischen Wachstum von 16 Prozent. Insbesondere durch den Gewinn größerer Aufträge in den Geschäftsfeldern Technologies und E&M International sowie durch die robuste Entwicklung in den europäischen Märkten konnte Bilfinger diese Zuwächse erreichen. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill-Verhältnis) lag bei gut 1,1. Der Auftragsbestand nahm organisch um 9 Prozent auf 2.845 Mio. € (Vorjahr: 2.667 Mio. €) zu.

Der Konzernumsatz wuchs organisch deutlich um 29 Prozent auf 977 Mio. € gegenüber dem schwachen Vorjahresquartal (793 Mio. €), das stark von der COVID-19-Pandemie betroffen war und den Tiefpunkt des vergangenen Jahres darstellte. Die Bruttomarge zeigte eine erhebliche Verbesserung auf 9,7 Prozent (Vorjahr: 4,3 Prozent), ebenso wie das Bruttoergebnis, das auf 95 Mio. € (Vorjahr: 34 Mio. €) anstieg. Die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten gingen leicht auf 70 Mio. € (Vorjahr: 73 Mio. €) zurück. Sie lagen damit aufgrund COVID-19-bedingter Effekte, wie etwa die anhaltend niedrigen Reisekosten, unter dem nachhaltigen Zielwert von 75 Mio. € pro Quartal. Die bereinigte Quote der Vertriebs- und Verwaltungskosten belief sich gemessen am Umsatz auf 7,2 Prozent (Vorjahr: 9,2 Prozent).

Bilfinger erzielte im zweiten Quartal 2021 ein bereinigtes EBITA von 26 Mio. € (Vorjahr: -35 Mio. €), dies entspricht einer bereinigten EBITA-Marge von 2,6 Prozent (Vorjahr: -4,4 Prozent). Hier zeigen sich positive Effekte aus im Jahr 2020 umgesetzten Effizienzsteigerungsprogrammen und dem daraus resultierenden, verbesserten Kapazitätsmanagement. Das berichtete EBITA war mit 21 Mio. € (Vorjahr: -51 Mio. €) ebenfalls positiv und spiegelt den deutlichen Rückgang der Sondereinflüsse auf -5 Mio. € (Vorjahr: -16 Mio. €) wider, die im Jahr 2021 hauptsächlich Maßnahmen zur Harmonisierung der IT-Landschaft betreffen. Nach den erhöhten Aufwendungen für Restrukturierungen im Jahr 2020 werden hierfür im laufenden Geschäftsjahr nur noch geringere Beträge erwartet.

Segment Engineering & Maintenance Europe

Im Segment E&M Europe stieg der Auftragseingang um 5 Prozent (organisch 3 Prozent) auf 649 Mio. € im Vergleich zum Vorjahresquartal (619 Mio. €), das vergleichsweise weniger von COVID-19-Effekten belastet war. Vor allem in Deutschland, in Belgien und den Niederlanden sowie in Nordeuropa erzielte Bilfinger deutliche Wachstumsraten. Der Umsatz stieg deutlich um 36 Prozent (organisch 34 Prozent) auf 665 Mio. € (Vorjahr: 491 Mio. €), getragen vom Wachstum in allen europäischen Regionen. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im zweiten Quartal bei 1,0, es spiegelt den gleichzeitigen Anstieg von Auftragseingang und Umsatz wider. Das bereinigte EBITA des Segments verbesserte sich deutlich auf 40 Mio. € (Vorjahr: 2 Mio. €). Dies entspricht einer hervorragenden Marge von 5,9 Prozent (Vorjahr: 0,4 Prozent).

Segment Engineering & Maintenance International

Der Auftragseingang bei E&M International nahm erheblich um 48 Prozent (organisch 60 Prozent) auf 199 Mio. € (Vorjahr: 135 Mio. €) zu. Die Entwicklung in Nordamerika wurde durch die Verlängerung eines großen Wartungsvertrages gestützt, wohingegen der Auftragseingang im Nahen Osten auf dem Niveau des Vorjahres lag. Der Umsatz wuchs um 9 Prozent (organisch 19 Prozent) auf 143 Mio. € (Vorjahr: 131 Mio. €). Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im zweiten Quartal bei 1,4 und bildet die Basis für weiteres Wachstum. Das bereinigte EBITA war mit -7 Mio. € weiterhin negativ (Vorjahr: -12 Mio. €), die bereinigte EBITA-Marge betrug -5,2 Prozent (Vorjahr: -9,5 Prozent). Strategische Maßnahmen inklusive der Anpassung von Kapazitäten zeigen zunehmend Wirkung.

Das Unternehmen hat sich angesichts veränderter Marktgegebenheiten und Geschäftsaussichten entschlossen, die Anteile an seinem Joint Venture im Oman zu verkaufen. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2021 abgeschlossen werden, der Kaufpreis von 10 Mio. € ist Bilfinger bereits im Juni 2021 zugeflossen.

Segment Technologies

Technologies verzeichnete einen starken Anstieg des Auftragseingangs um 48 Prozent (organisch 51 Prozent) auf 169 Mio. € (Vorjahr: 114 Mio. €). Dazu trug vor allem die Vergabe eines Großprojekts im Biopharma-Sektor bei. Der Umsatz stieg ebenfalls deutlich um 35 Prozent (organisch 36 Prozent) auf 145 Mio. € (Vorjahr: 108 Mio. €), das Book-to-Bill Verhältnis belief sich auf 1,2. Das bereinigte EBITA des Segments war im vierten Quartal in Folge positiv und erreichte 7 Mio. € (Vorjahr: -20 Mio. €). Damit verbesserte sich die bereinigte EBITA-Marge auf 4,7 Prozent (Vorjahr: -18,7 Prozent).

Positives Konzernergebnis, aber geringerer Free Cashflow

Das Konzernergebnis erreichte nach dem ersten Quartal auch im zweiten Quartal 2021 wieder einen positiven Wert. Auf Grundlage des verbesserten EBITA stieg das Konzernergebnis auf 13 Mio. € (Vorjahr: -60 Mio. €).

Sowohl der bereinigte operative Cashflow (-27 Mio. €; Vorjahr: 143 Mio. €) als auch der berichtete Free Cashflow (-43 Mio. €; Vorjahr: 129 Mio. €) lagen deutlich unter den außerordentlich positiven Werten des Vorjahresquartals. Dies ist zum einen auf den wachstumsbedingt erhöhten Working Capital Bedarf zurückzuführen. Zum anderen war das Vorjahresquartal durch die Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen im hohen zweistelligen Millionenbereich positiv beeinflusst, die Ende des vergangenen Jahres zurückgezahlt wurden.

Ergebnisausblick 2021 leicht angehoben

Bilfinger erwartet unverändert ein deutliches Umsatzwachstum (2020: 3.461 Mio. €) im Gesamtjahr 2021. Der Konzern erwartet des Weiteren eine erhebliche Verbesserung des bereinigten EBITA (2020: 20 Mio. €). Angesichts der erfreulichen Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr 2021 wird die bereinigte EBITA-Marge im Gesamtjahr das Vorkrisenniveau des Geschäftsjahres 2019 (2,4 Prozent) nun übertreffen und rund 3 Prozent erreichen, obwohl der Umsatz im Jahr 2021 voraussichtlich noch deutlich unter dem Wert von 2019 liegen wird. Die strukturellen Kostensenkungsmaßnahmen, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit großer Agilität umgesetzt wurden, zeigen zunehmend positive Effekte.

Bilfinger erwartet eine erhebliche Verbesserung des berichteten Konzern-EBITA (2020:
-57 Mio. €) wegen deutlich geringerer Aufwendungen, die als Sondereinflüsse gebucht werden. Die Aufwendungen für die aufgrund der COVID-19-Pandemie und der volatilen Ölpreisentwicklung umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen haben vor allem das Geschäftsjahr 2020 belastet.

Der Konzern geht von einem positiven, aber unter dem Vorjahresniveau liegenden Free Cashflow (2020: 93 Mio. €) aus, trotz einer erheblichen Verbesserung des EBITA. Gründe sind ein erhöhter Working Capital Bedarf infolge des geplanten Umsatzwachstums, der Nachlauf aus im Jahr 2020 eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen sowie ein normalisiertes Investitionsniveau.

 

Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €
  Q2 GJ 2020
  2021 2020 ∆ in % 2020
Auftragseingang 1.061 931 14
(org: 16)
3.724
Auftragsbestand 2.845 2.667 7
(org: 9)
2.585
Umsatz 977 793 23
(org: 29)
3.461
Bereinigtes EBITDA 50 -8 - 125
Bereinigtes EBITA 26 -35 - 20
Bereinigte EBITA-Marge (in %) 2,6 -4,4 - 0,6
EBITA 21 -51 - -57
Bereinigtes Konzernergebnis 12 -31 - -8
Bereinigtes Ergebnis je Aktie (in €) 0,30 -0,75 - -0,20
Konzernergebnis 13 -60 - 99
Operativer Cashflow -40 133 - 120
Bereinigter operativer Cashflow -27 143 - 164
Free Cashflow -43 129 - 93
Bereinigter Free Cashflow -30 139 - 136
Investitionen in Sachanlagen 10 6 62 37
Mitarbeiter
(Anzahl zum Stichtag)
29.692 31.533 -6 28.893

Hier finden Sie die Ad-hoc Mitteilung zur Entscheidung über die Kapitalallokation.