Bilfinger Quartalsmitteilung Q3 2020

12.11.2020

Erholung nimmt Fahrt auf: starke Entwicklung von EBITA und Cashflow; Ausblick für Gesamtjahr bestätigt

  • Markt: Erwartungsgemäße Erholung in der zweiten Jahreshälfte
  • Auftragseingang 710 Mio. €/-26% org.: Auftragseingang auf niedrigerem Niveau mit weniger Projekten, Auftragsbestand solide; Erwartungen für Q4 positiv
  • Umsatz 870 Mio. €/-18% org.: Sequentielle Umsatzerholung bei den meisten europäischen Einheiten
  • EBITA bereinigt 23 Mio. €: Alle europäischen Regionen sowie Segment Technologies mit positivem Beitrag
  • Berichteter Free Cashflow 43 Mio. €: Anhaltend robuster Cashflow dank aktivem Working Capital Management; solide Finanzlage, keine zusätzliche Finanzierung erwartet
  • Ausblick für 2020 bestätigt: Umsatzrückgang von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; bereinigtes EBITA und berichteter Free Cashflow positiv

Die Erholung im Bilfinger-Geschäft hat im dritten Quartal 2020 an Fahrt gewonnen. Nach der durch die COVID-19 Pandemie verursachten Talsohle im April und Mai und der leichten Verbesserung bereits im Juni zeigte sich im dritten Quartal auf Basis der konjunkturellen Erholung in den Sommermonaten die erwartete sequentielle Verbesserung von Umsatz und Ergebnis. Dabei war im September eine deutlich positive Entwicklung zu verzeichnen. Auch die Cashflow-Entwicklung war wie im Vorquartal weiterhin positiv. Auf Basis des zufriedenstellenden Geschäftsverlaufs im dritten Quartal kann Bilfinger den im Mai gegebenen Ausblick für das Gesamtjahr bestätigen.

CEO Tom Blades: „Es freut mich zu sehen, dass die Erholung unseres Umsatzes gegenüber dem Vorquartal wie erwartet eingetreten ist. Wir haben schnell gehandelt und unsere Überkapazitäten abgebaut, dies ist sowohl an der erzielten Bruttomarge ersichtlich wie auch am neuen Bestwert bei den Vertriebs- und Verwaltungskosten. Ein beharrliches Working Capital Management hat zu einer starken Liquiditätsentwicklung geführt. Und auch wenn diese Arbeit nie vollständig erledigt ist, glaube ich, dass Bilfinger insgesamt gut für die Zukunft aufgestellt ist.“

Vor allem das europäische Geschäft zeigte eine hohe Widerstandsfähigkeit und verbesserte Kostenflexibilität. Bilfinger hat Kapazitäten abgebaut, wo die längerfristigen Perspektiven verhalten sind -  zum Beispiel im Öl- und Gasgeschäft in Großbritannien -  verlustbringende Aktivitäten abgewickelt und gleichzeitig strategische Alternativen verfolgt, beispielsweise im Segment Technologies. Seit Jahresbeginn wurde die Zahl der Mitarbeiter im Konzern um rund 4.000 reduziert, der Großteil davon in Nordamerika, Nordeuropa und Großbritannien. Derzeit befinden sich noch rund 650 Mitarbeiter in Großbritannien, den nordischen Ländern, Deutschland und Österreich in Kurzarbeit. Zu Spitzenzeiten waren dies rund 3.000 Mitarbeiter. Darüber hinaus verfolgt Bilfinger ein striktes Kostenmanagement mit temporär und nachhaltig wirkenden Maßnahmen. Damit konnten die Vertriebs- und Verwaltungskosten deutlich unter Budget gesenkt werden. Im Gesamtjahr investiert das Unternehmen rund 70 Mio. € in die Restrukturierung und geht dabei von einer Amortisation innerhalb der nächsten zwei Jahre aus. Insgesamt wird Bilfinger das Jahr 2021 mit einer schlankeren, bereinigten Kostenbasis beginnen können.

Bei den eingeleiteten Strukturverbesserungen befindet sich das Unternehmen in der letzten Phase der Prozess- und Systemharmonisierung, die bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen werden soll. Trotz der zusätzlichen Herausforderungen, denen sich das Management in diesem Jahr gegenübersah, konnte die Anzahl der operativen Gesellschaften weiter verringert werden. Darüber hinaus hat Bilfinger den Verkauf von zwei Einheiten aus den Other Operations mit einem Jahresumsatz von insgesamt rund 80 Mio. € abgeschlossen. Des Weiteren wurde ein kleineres niederländisches Unternehmen erworben, das mit seinen Industriekletterern auf Inspektion und Anlagenintegritätsservices spezialisiert ist. Damit wird das Angebotsspektrum bei Engineering & Maintenance auf den attraktiven niederländischen und belgischen Märkten gestärkt.

Entwicklung des Konzerns im dritten Quartal 2020

Der Auftragseingang ging organisch um 26 Prozent auf 710 Mio. € zurück (Vorjahr: 997 Mio. €). Dies ist vor allem auf die begrenzte Anzahl verfügbarer Projekte, insbesondere auf dem nordamerikanischen Markt, zurückzuführen. Darüber hinaus führten niedrigere Erwartungen für den Öl- und Gasmarkt zu einer Anpassung der Auftragsbestände im Upstream-Öl- und Gasgeschäft. Insgesamt blieb der Auftragsbestand mit 2.458 Mio. € (Vorjahr: 2.620 Mio. €) jedoch solide und verzeichnete organisch einen leichten Rückgang von 3 Prozent. Für das vierte Quartal rechnet Bilfinger mit einer positiven Auftragsentwicklung, nicht zuletzt wegen der erwarteten Buchung größerer Teile der Abrufaufträge für das Kernkraftwerk Hinkley Point C in Großbritannien. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 0,8 spiegelt den Rückgang des Auftragseingangs im dritten Quartal wider, im Gesamtjahr liegt es bei 1,05.

Der Umsatz ging organisch um 18 Prozent auf 870 Mio. € zurück (Vorjahr: 1.101 Mio. €), dabei war jedoch erwartungsgemäß eine deutliche sequenzielle Verbesserung zu verzeichnen.

Auch die Bruttomarge verbesserte sich mit 10,2 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2020 erheblich und erreichte trotz des geringeren Umsatzes das Niveau des Vorjahresquartals. Das Bruttoergebnis ging nach 112 Mio. € im Vorjahresquartal auf 89 Mio. € zurück. Die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten verbesserten sich deutlich auf 69 Mio. € (Vorjahr: 84 Mio. €), die Quote belief sich auf 7,9 Prozent. Darin spiegeln sich nachhaltig positive Effekte aus dem laufenden SG&A-Effizienzprogramm sowie aus dem strikten und agilen Kostenmanagement wider.

Infolgedessen war das bereinigte EBITA im dritten Quartal 2020 mit 23 Mio. € (Vorjahr: 34 Mio. €) deutlich positiv. Dies stellt eine deutliche Erholung gegenüber dem zweiten Quartal dar, in dem das bereinigte EBITA -35 Mio. € betragen hatte. Die bereinigte EBITA-Marge erreichte im dritten Quartal 2020 mit 2,7 Prozent nahezu das Vorjahresniveau (3,1 Prozent). Weitere Restrukturierungsmaßnahmen führten zu einem erwarteten Anstieg der Sondereinflüsse auf -24 Mio. € (Vorjahr: -9 Mio. €).

Segment Engineering & Maintenance Europe

Bei E&M Europe sank der Auftragseingang organisch um 13 Prozent auf 501 Mio. € (Vorjahr: 580 Mio. €), auch bedingt durch die Reduktion von Auftragsbeständen durch gesenkte Erwartungen im Upstream-Öl- und Gasgeschäft. Daraus resultierte ein Book-to-Bill-Verhältnis im dritten Quartal von 0,9; für das Gesamtjahr betrug es 1,07. Der Auftragsbestand lag mit 1.577 Mio. € leicht unter Vorjahresniveau (1.623 Mio. €). Im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 hat sich E&M Europe sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten EBITA gut erholt. Der Umsatz belief sich auf 571 Mio. € und lag damit organisch 11 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Der Umsatzrückgang des ersten Halbjahres hat sich demnach verlangsamt. Das europäische Wartungsgeschäft von Bilfinger erwies sich als sehr widerstandsfähig und agil. Der Umsatz im Upstream-Öl- und Gasgeschäft in der Nordsee lag jedoch immer noch um etwa 30 Prozent unter dem Vergleichswert. Das bereinigte EBITA war mit 27 Mio. € (Vorjahr: 31 Mio. €) deutlich positiv und erreichte trotz des Umsatzrückgangs eine starke Marge auf Vorjahresniveau von 4,7 Prozent. Damit zeigt das Segment nach den schwierigen ersten beiden Quartalen des Jahres die erwartete positive Entwicklung.

Segment Engineering & Maintenance International

Der Auftragseingang von E&M International fiel organisch um 57 Prozent auf 82 Mio. € (Vorjahr: 207 Mio. €). Diese Entwicklung spiegelt den Mangel an Projektvergaben in Nordamerika aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der Unsicherheiten in der Energiepolitik aufgrund der bevorstehenden Wahl wider. Der Auftragsbestand sank auf 387 Mio. € (Vorjahr: 412 Mio. €). Der organische Umsatzrückgang um 52 Prozent auf 108 Mio. € (Vorjahr: 238 Mio. €) war teilweise erwartet worden, wurde jedoch durch das herausfordernde Umfeld verstärkt. Das bereinigte EBITA war mit -9 Mio. € (Vorjahr: 14 Mio. €) negativ, insbesondere aufgrund der Unterauslastung in Nordamerika. Dort sind Kapazitätsanpassungen im Gange. Die bereinigte EBITA-Marge lag bei -8,6 Prozent (Vorjahr: 5,7 Prozent).

Segment Technologies

Der Auftragseingang bei Technologies stieg organisch leicht um zwei Prozent auf 90 Mio. € (Vorjahr: 88 Mio. €). Das Book-to-Bill-Verhältnis belief sich 0,7. Allerdings werden noch in diesem Jahr weitere Buchungen größerer Teile der Abrufaufträge für das Kernkraftwerk Hinkley Point C in Großbritannien erwartet. Für das Gesamtjahr liegt das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz bei einem soliden Wert von 1,4. Der Auftragsbestand nahm auf 493 Mio. € (Vorjahr: 408 Mio. €) zu. Der Umsatz lag mit 138 Mio. € organisch um 5 Prozent unter dem Vorjahreswert (145 Millionen €), auch bedingt durch die Abwicklung verlustbringender Aktivitäten. In den Kernbereichen zeichnet sich jedoch eine sequenzielle Erholung ab. Das bereinigte EBITA des Segments erreichte wieder einen positiven Wert von 6 Mio. € (Vorjahr: -7 Mio. €), was auf eingeleitete strategische Maßnahmen für leistungsschwache Einheiten zurückzuführen ist. Darüber hinaus hat ein laufendes Großprojekt den Fertigstellungsgrad von 20 Prozent des Umsatzes überschritten und wurde somit ergebniswirksam.

Free Cashflow gegenüber Vorjahr verbessert

Das Konzernergebnis betrug -19 Mio. € (Vorjahr: 6 Mio. €), belastet durch erhebliche Restrukturierungskosten. Auf bereinigter Basis war das Konzernergebnis mit 11 Mio. € (Vorjahr: 17 Mio. €) positiv. Der berichtete Free Cashflow verbesserte sich durch aktives Working Capital Management trotz erster Rückzahlungen von gestundeten Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen deutlich auf 43 Mio. € (Vorjahr: 5 Mio. €).

Ausblick für Konzern und Segmente im Jahr 2020

Für das Jahr 2020 bestätigt Bilfinger die Mitte Mai veröffentlichte Prognose. Das Unternehmen erwartet einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,3 Mrd. €) sowie ein bereinigtes EBITA deutlich unter dem Vorjahresniveau (104 Mio. €), das aber noch positiv bleibt.

Bilfinger erwartet sowohl bei E&M Europe als auch bei E&M International einen deutlichen Rückgang des Umsatzes. Bei E&M Europe wird weiterhin ein positiver Ergebnisbeitrag erwartet, während sich die Situation bei E&M International als wesentlich herausfordernder erwiesen hat. Daher ist in diesem Segment für das laufende Jahr von einem negativen bereinigten EBITA auszugehen. Der Umsatzrückgang bei Technologies wird voraussichtlich weniger stark ausfallen. Zu erwarten ist, dass dieses Segment nach einem Verlust im Jahr 2019, der durch Altprojekte und ein Unternehmen in Transformation verursacht worden war, im Jahr 2020 eine deutliche Ergebnisverbesserung erzielen wird. Das bereinigte EBITA wird im Geschäftsjahr 2020 jedoch negativ bleiben.

Obwohl ein negative Konzernergebnis erwartet wird, rechnet das Unternehmen für 2020 weiterhin mit einem positiven berichteten Free Cashflow (2019: 57 Mio. €).

Der Ausblick von Bilfinger geht davon aus, dass die Hauptauswirkungen der COVID-19-Pandemie im zweiten Quartal eingetreten sind und dass die aktuellen Lockdown-Maßnahmen keinen wesentlichen negativen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung haben werden.

 

Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €
  Q3 GJ
  2020 2019 ∆ in % 2019
Auftragseingang 710 997 -29
(org:  -26)
4.159
Auftragsbestand 2.458 2.620 -6
(org:  -3)
2.567
Umsatz 870 1.101 -21
(org:  -18)
4.327
EBITDA bereinigt 49 62 -20 212
EBITA bereinigt 23 34   104
EBITA-Marge bereinigt
(in %)
2,7 3,1   2,4
EBITA 0 25   32
Bereinigtes Konzernergebnis 11 17   49
Bereinigtes Ergebnis je Aktie
(in €)
0,27 0,41   1,23
Konzernergebnis -19 6   24
Operativer Cashflow 49 18   110
Bereinigter operativer Cashflow 50 33   181
Free Cashflow 43 5   57
Bereinigter Free Cashflow 44 20   128
Investitionen in Sachanlagen 6 15 -57 64
Mitarbeiter1
(Anzahl zum Stichtag)
29.375 34.413 -15 33.327

1) ohne JVs