Bilfinger Quartalsmitteilung Q1 2021

11.05.2021

Erfreuliche Entwicklung: positives EBITA und verbesserter Free Cashflow

  • Märkte: Zunehmende Belebung
  • Auftragseingang 1.001 Mio. €/-1% org: E&M Europe robust, größeres Projekt in Nordamerika gewonnen
  • Umsatz 833 Mio. €/-5% org: E&M Europe und Technologies auf solidem Niveau; Vorjahresquartal noch weitgehend unbeeinflusst von Covid-19 und Ölpreisentwicklung
  • Bereinigtes EBITA 11 Mio. €/ Marge 1,3%: Strukturelle Verbesserungen und reduzierte Kostenbasis zeigen Wirkung
  • Berichtetes Konzernergebnis 10 Mio. €: Positiv, auch durch weitere Aufwertung der PPN Apleona
  • Berichteter Free Cashflow -28 Mio. €: Deutliche Verbesserung gegenüber Vorjahresquartal
  • Netto-Liquidität: 458 Mio. € für Apleona am 10. Mai zugeflossen
  • Ausblick 2021 bestätigt: Deutliches Umsatzwachstum und erhebliche EBITA-Verbesserung

Bilfinger ist positiv ins Geschäftsjahr 2021 gestartet. Der Industriedienstleister legte im ersten Quartal solide Ergebnisse vor: ein deutlich positives EBITA sowie eine im Vergleich zum Vorjahr verbesserte Cashflow-Entwicklung. Das Unternehmen verzeichnet im überwiegenden Teil seiner Märkte eine zunehmende Belebung, der Auftragseingang erreichte erneut die 1 Mrd. €-Marke. Dabei zeigte sich das Engineering & Maintenance-Geschäft in Europa robust, in Nordamerika gewann Bilfinger ein größeres Projekt. Der Umsatz lag unter dem Niveau des Vorjahresquartals, das allerdings noch nicht wesentlich von der COVID-19-Pandemie und dem erheblichen Ölpreisrückgang im März 2020 betroffen war. Mit einem positiven berichteten EBITA und einem positiven berichteten Konzernergebnis beweist das Unternehmen seine erhöhte Kostenagilität, die es im Vorjahr aufgebaut hat.

„Das erfreuliche erste Quartal zeigt, dass wir von den strukturellen Verbesserungen und der reduzierten Kostenbasis profitieren, die wir in den vergangenen Jahren und insbesondere im Jahr 2020 erreicht haben. Eines unserer Ziele ist ein weniger saisonales Ergebnisprofil. Dies gelingt uns durch ein agileres Management unserer Kapazitäten – vor allem in den ersten Monaten des Jahres, in denen der Umsatz typischerweise am niedrigsten ist“, erklärt Interim-CEO und CFO Christina Johansson. „Wir freuen uns, vor diesem Hintergrund heute unseren Ausblick für 2021 zu bestätigen, und erwarten weitere Fortschritte im Laufe des Jahres.“

Bilfinger setzt seine strategische Entwicklung fort: Im April hat das Unternehmen eine Vereinbarung zum Verkauf einer weiteren nicht zum Kerngeschäft gehörenden Einheit unterzeichnet. Der Abschluss der Transaktion wird im zweiten Quartal 2021 erwartet. Um das Wachstum des Konzerns zu fördern, setzt Bilfinger im Jahr 2021 verstärkt auf Vertriebsinitiativen in dynamischen Bereichen wie Energieeffizienz und Life Science sowie auf dem nordamerikanischen Instandhaltungsmarkt.

Außerdem sind am 10. Mai 2021 dem Konzern 458 Mio. € aus der Preferred Participation Note für Apleona zugeflossen. Damit ist Bilfinger noch besser in der Lage, Wachstumschancen zu ergreifen - sowohl organisch als auch durch Zukäufe.

Entwicklung des Konzerns im ersten Quartal 2021

Der Auftragseingang des Konzerns belief sich in den ersten drei Monaten 2021 auf 1.001 Mio. € (Vorjahr: 1.060 Mio. €). Mit einem organischen Rückgang um 1 Prozent lag er erneut auf solidem Niveau. Dies ist insbesondere auf die robuste Entwicklung in den europäischen Märkten und auf den Gewinn eines großen Projektvertrags in Nordamerika zurückzuführen. Der Auftragsbestand wuchs organisch um 11 Prozent auf 2.796 Mio. € und übertraf sowohl den Wert des Vorjahresquartals (2.562 Mio. €) als auch den Wert zum Jahresende 2020 (2.585 Mio. €). Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill-Verhältnis) erreichte mit 1,2 ein gutes Niveau.

Der Konzernumsatz verringerte sich organisch um 5 Prozent auf 833 Mio. € gegenüber dem Vorjahresquartal (915 Mio. €), das noch weitgehend unbeeinflusst von der damals gerade aufkommenden COVID-19-Pandemie war. Die Bruttomarge verbesserte sich deutlich auf 9,4 Prozent (Vorjahr: 7,4 Prozent). Dies gilt ebenso für das Bruttoergebnis, das auf 79 Mio. € (Vorjahr: 67 Mio. €) stieg. Die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten gingen weiter auf 70 Mio. € (Vorjahr: 84 Mio. €) zurück. Sie lagen aufgrund der weiterhin niedrigen Ausgaben für Reisen und anderer COVID-19-bedingter Effekte unter dem nachhaltigen Zielwert von 75 Mio. € pro Quartal. Die bereinigte Quote der Vertriebs- und Verwaltungskosten belief sich gemessen am Umsatz auf 8,4 Prozent (Vorjahr: 9,2 Prozent).

Bilfinger erzielte im ersten Quartal 2021 ein positives bereinigtes EBITA von 11 Mio. € (Vorjahr: -11 Mio. €), dies entspricht einer bereinigten EBITA-Marge von 1,3 Prozent (Vorjahr: -1,2 Prozent). Hier wirken sich positive Effekte aus Effizienzsteigerungsprogrammen und ein verbessertes Kapazitätsmanagement aus. Das berichtete EBITA war mit 9 Mio. € (Vorjahr: -20 Mio. €) ebenfalls positiv, hier spiegelt sich die deutliche Reduzierung der Sondereinflüsse auf -2 Mio. € (Vorjahr: -9 Mio. €) wider. Sie betrafen im ersten Quartal 2021 insbesondere die Harmonisierung der IT-Landschaft. Nach den erhöhten Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen im Jahr 2020 werden im laufenden Geschäftsjahr hierfür nur noch geringe Beträge erwartet.

Segment Engineering & Maintenance Europe

Im Segment E&M Europe nahm der Auftragseingang organisch um 8 Prozent zu und erreichte 675 Mio. € (Vorjahr: 631 Mio. €). Vor allem in Nordeuropa und im Vereinigten Königreich waren deutliche Zuwachsraten zu verzeichnen. Der Umsatz war nahezu stabil, er ging organisch um 2 Prozent auf 561 Mio. € (Vorjahr: 573 Mio. €) zurück. Das europäische Instandhaltungsgeschäft zeigte sich weiterhin robust, wenngleich es durch COVID-19-bedingte logistische Einschränkungen bei den Upstream-Öl- und Gasaktivitäten in der Nordsee zu Umsatzrückgängen kam. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im ersten Quartal bei 1,2. Das bereinigte EBITA des Segments stieg deutlich auf 16 Mio. € (Vorjahr: 4 Mio. €), dies entspricht einer Marge von 2,9 Prozent (Vorjahr: 0,7 Prozent).

Segment Engineering & Maintenance International

Der Auftragseingang bei E&M International stieg organisch um 13 Prozent auf 161 Mio. € (Vorjahr: 154 Mio. €). Die Entwicklung in Nordamerika wurde durch einen großen Projektauftrag über den Bau einer Polymeranlage für INEOS Styrolution in Texas unterstützt. Im Nahen Osten bewegte sich der Auftragseingang in der Größenordnung des Vorjahres. Der Umsatz ging organisch um 28 Prozent auf 110 Mio. € (Vorjahr: 165 Mio. €) zurück. Das bereinigte EBITA war mit -5 Mio. € erneut negativ (Vorjahr: -1 Mio. €); die bereinigte EBITA-Marge betrug -4,7 Prozent (Vorjahr: -0,8 Prozent). Die eingeleiteten strategischen Maßnahmen in Verbindung mit einer Reihe von Vertriebsinitiativen ebnen den Weg zu einer positiven Entwicklung im Segment E&M International.

Segment Technologies

Bei Technologies sank der Auftragseingang organisch um 59 Prozent auf 115 Mio. € (Vorjahr: 287 Mio. €). Der außergewöhnlich hohe Wert des Vorjahresquartals war durch die Erteilung einiger Großaufträge geprägt, unter anderem für das Kernkraftwerk Hinkley Point C im Vereinigten Königreich. Der Umsatz im ersten Quartal 2021 wuchs organisch um 18 Prozent und erreichte 130 Mio. € (Vorjahr: 113 Mio. €). Das bereinigte EBITA war mit 3 Mio. € (Vorjahr:  -5 Mio. €) positiv, damit setzte sich der erfreuliche Trend des zweiten Halbjahres 2020 fort. Entsprechend verbesserte sich die bereinigte EBITA-Marge auf 2,4 Prozent (Vorjahr: -4,3 Prozent).

Positives Konzernergebnis und verbesserter Free Cashflow

Das Konzernergebnis erreichte im ersten Quartal 2021 einen positiven Wert von 10 Mio. € (Vorjahr: -24 Mio. €). Dies ist auch auf die Verbesserung des EBITA zurückzuführen. Darüber hinaus führte die nun endgültige Bewertung der Preferred Participation Note für Apleona zu einer weiteren Aufwertung in Höhe von 7 Mio. €, die im Finanzergebnis erfasst wurde.

Der bereinigte operative Cashflow war mit 0 Mio. € (Vorjahr: -72 Mio. €) ausgeglichen. Der berichtete Free Cashflow verbesserte sich aufgrund von Maßnahmen zum Working Capital Management ebenfalls deutlich auf -28 Mio. € (Vorjahr: -93 Mio. €).

Ausblick für 2021 bestätigt

Bilfinger bestätigt seinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2021. Für 2021 rechnet der Konzern mit einem deutlichen Umsatzwachstum (2020: 3.461 Mio. €). Im Segment Engineering & Maintenance Europe wird der Umsatz (2020: 2.221 Mio. €) vor dem Hintergrund der Normalisierung unseres Geschäftsumfelds und damit verbundener Nachholeffekte deutlich steigen. Dabei werden die Umsätze im Upstream-Öl- und Gasgeschäft in der Nordsee trotz zunehmender Erholung nicht das Niveau von 2019 erreichen. Auch bei Engineering & Maintenance International (2020: 521 Mio. €) ist ein deutliches Umsatzwachstum zu erwarten. Dabei ist insbesondere in Nordamerika von einer zunehmenden Anzahl von Projekten auszugehen, die im zweiten Halbjahr wieder zu wachsenden Umsätzen führen werden. Bei Technologies ist aufgrund des hohen Auftragsbestands und der guten Entwicklung der Marktsegmente Kernkraft und Biopharma ebenfalls mit einem deutlichen Anstieg der Umsatzerlöse (2020: 498 Mio. €) zu rechnen. Im Bereich Other Operations (2020: 263 Mio. €) wird der Umsatz aufgrund von Entkonsolidierungseffekten deutlich unter Vorjahresniveau liegen.

Für das bereinigte EBITA erwartet Bilfinger eine erhebliche Verbesserung (2020: 20 Mio. €). Die bereinigte EBITA-Marge wird dabei wieder das Vorkrisenniveau des Geschäftsjahres 2019 (2,4 Prozent) erreichen, trotz eines im Vergleich dazu deutlich geringeren Umsatzvolumens in 2021. Hier zeigten in den vergangenen Monaten die im zweiten Halbjahr 2020 mit hoher Agilität umgesetzten strukturellen Maßnahmen zur Kostensenkung zunehmend positive Wirkung. Für Engineering & Maintenance Europe (2020: 69 Mio. €) rechnet das Unternehmen daher mit einer deutlichen Verbesserung des bereinigten EBITA. Gleiches gilt für Engineering & Maintenance International (2020: -21 Mio. €) mit einem erwarteten positiven Ergebnis und für Technologies (2020: -10 Mio. €) mit einem erwarteten klar positiven bereinigten EBITA im Geschäftsjahr 2021. Bei den in der Position Überleitung Konzern zusammengefassten Posten (2020: -18 Mio. €) rechnet das Unternehmen mit einem bereinigten EBITA unter Vorjahresniveau, bedingt durch Entkonsolidierungseffekte im Bereich Other Operations.

Bilfinger erwartet eine erhebliche Verbesserung des berichteten Konzern-EBITA (2020: -57 Mio. €) aufgrund deutlich geringerer Aufwendungen, die als Sondereinflüsse gebucht werden. Die Aufwendungen für die aufgrund der COVID-19 Pandemie und der volatilen Ölpreisentwicklung umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen haben vor allem das Geschäftsjahr 2020 belastet.

Der Konzern geht von einem positiven, aber unter dem Vorjahresniveau liegenden Free Cashflow (2020: 93 Mio. €) aus, trotz einer erheblichen Verbesserung des EBITA. Gründe sind ein erhöhter Working Capital Bedarf infolge des geplanten Umsatzwachstums, der Nachlauf aus im Jahr 2020 eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen sowie ein normalisiertes Investitionsniveau.

 

Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €
  Q1 GJ 2020
  2021 2020 ∆ in % 2020
Auftragseingang 1.001 1.060 -5
(org: -1)
3.724
Auftragsbestand 2.796 2.562 9
(org: 11)
2.585
Umsatz 833 915 -9
(org: -5)
3.461
Bereinigtes EBITDA 35 16 117 125
Bereinigtes EBITA 11 -11 - 20
Bereinigte EBITA-Marge (in %) 1,3 -1,2 - 0,6
EBITA 9 -20 - -57
Bereinigtes Konzernergebnis 4 -13 - -8
Bereinigtes Ergebnis je Aktie (in €) 0,10 -0,31 - -0,20
Konzernergebnis 10 -24 - 99
Operativer Cashflow -23 -84 - 120
Bereinigter operativer Cashflow 0 -72 - 164
Free Cashflow -28 -93 - 93
Bereinigter Free Cashflow -6 -80 - 136
Investitionen in Sachanlagen 8 9 -9 37
Mitarbeiter
(Anzahl zum Stichtag)
28.775 33.091 -13 28.893