Seilgesicherte Höhenarbeiten als Industriekletterer von Bilfinger

In 40 Metern Höhe schwebend, nur mit zwei Seilen gesichert, Wartungsarbeiten an Industrieanlagen ausführen? Für Michael Bartalov ist das Alltag. Der Industriekletterer gibt uns Einblicke in seinen spannenden Beruf und verrät, warum Höhenangst manchmal völlig normal ist.

„Mein Beruf ist voller Herausforderungen, doch gerade das macht ihn so spannend und abwechslungsreich“, berichtet der gelernte Erlebnispädagoge. „Ich erinnere mich, als ich Mitte Dezember 2020 zu Bilfinger gestoßen bin. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Kollegen für die Arbeiten an den Anlagen unserer Kunden Zugang mit einem Gerüst verschafft. Aber gerade an schwer zugänglichen Industrieanlagen wurde deutlich, dass dies nicht immer der einfachste und schnellste Weg ist. Und so ist die Abteilung der Industriekletterer bei der Bilfinger arnholdt GmbH gegründet worden. Dass wir uns an Seilen gesichert Zugang zu der Anlage verschaffen können, war für viele undenkbar. Als wir dann aber das Gegenteil beweisen konnten, waren auch unsere Kunde richtig begeistert und sie können sich mittlerweile so manche Arbeiten an ihrer Anlage ohne uns Kletterer gar nicht mehr vorstellen.“

Was heißt es denn, Industriekletterer zu sein? Wie sieht denn da der Berufsalltag aus?

„Industriekletterer sein bedeutet viel mehr, als den ganzen Tag in der Höhe Arbeiten an Anlagen zu verrichten. Es bedarf einer gründlichen Vorbereitung, bevor wir ein Projekt angehen. Und genau diese Vorbereitung ist es, die mir in der Höhe ein sicheres Gefühl gibt. Wir besichtigen vorab die Anlage, erstellen Gefährdungsbeurteilungen und Rettungskonzepte und erst, wenn diese geschrieben und umsetzbar sind, entscheiden wir uns dafür, das Projekt durchzuführen. Anschließend suchen wir das passende Material aus unserem Portfolio heraus, mit dem wir die Anlage besteigen. Dann werden noch Zustiegskonzepte sowie Rettungs- und Arbeitstrainings entwickelt und absolviert, bevor die eigentliche Projektarbeit am Seil beginnt. Meiner Meinung nach sind die Arbeiten davor viel intensiver als das eigentliche Auf- und Abseilen. Die Vorbereitungen sind enorm wichtig. Nicht nur, um die Sicherheit des Arbeitsmaterials zu prüfen, sondern auch, um Vertrauen aufzubauen.“

Was war denn das bisher spannendste Projekt, dass Sie bisher bei Bilfinger erlebt haben?

"Da muss ich gar nicht lange überlegen, das war definitiv mein erster Auftrag, den ich begleitet habe. Damals haben wir eine 40 Meter hohe Kolonne bestiegen, um Inspektionsarbeiten durchzuführen. Besonders an diesem Auftrag war, dass nicht nur ich das erste Mal bei Bilfinger als Industriekletterer tätig war, sondern, dass auch unser langjähriger Kunde das erste Mal mit uns Höhenkletterern zusammengearbeitet hat. In der Vergangenheit ist es nie dazu gekommen, da wurde immer mit Gerüsten gearbeitet. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie begeistert und erstaunt unser Kunde damals war, dass wir die Arbeiten so reibungslos und schnell durchführen konnten. Das war ein tolles Gefühl."

Und was macht man, wenn einen dann doch die Höhenangst packt?

„Das ist ganz normal und gehört dazu. Wenn man keine Angst hat, neigt man eher dazu, vermeidbare Risiken einzugehen. Und das ist in unserem Job äußerst gefährlich. Nur weil man Industriekletterer ist, heißt das nicht, dass man nie Höhenangst hat, oder vielleicht einfach ein mulmiges Gefühl beim Blick nach unten. Wichtig ist, in solchen Momenten ruhig zu bleiben. Wir unterhalten uns dann erst einmal, vergewissern uns, dass wir vollstes Vertrauen in unsere Ausrüstung und unser Team haben können und der ein oder andere isst dann auch mal gern ein Stück Schokolade, um die Glückshormone zu befeuern. Sicherheit geht in unserem Job immer vor und hat höchste Priorität.“

Wie kann man sich denn die Arbeit in Ihrem Team vorstellen?

„Dadurch, dass wir alle diesen ungewöhnlichen Beruf ausüben, verbindet uns sehr viel. Wir sind eine eingeschworene Truppe, die sich blind vertraut. Wir unternehmen auch privat sehr viel miteinander, klettern nicht nur an Industrieanlagen, sondern auch in unserer Freizeit in Hallen oder Kletterparks. Wir wollen aber unsere Truppe erweitern und sind auf der Suche nach neuen Kollegen.“

Sucht ihr nach erfahrenen Industriekletterern oder haben auch Berufseinsteiger die Chance, Teil des Teams zu werden?

„Sowohl als auch! Wir freuen uns auf jeden und jede, der oder die unsere Leidenschaft teilt. Aktuell sind wir dabei, ein Ausbildungszentrum für Industriekletterer in Herne aufzubauen. Dann können wir auch selbst unsere Experten ausbilden. Allerdings ist der Industriekletterer kein klassischer Ausbildungsberuf, sondern eine Weiterbildung. Man sollte bereits eine handwerkliche Ausbildung mitbringen, um den Beruf ergreifen zu können. Während der Weiterbildung kann man drei verschiedene Levels erreichen, abhängig von den praktischen und theoretischen Kenntnissen, die man im Zuge der Ausbildung erworben hat.“

Was muss denn ein zukünftiger Industriekletterer mitbringen?

„Ganz klar Herzblut! In diesem Beruf muss man voll und ganz bei der Sache sein. Man sollte bereit sein, eine ungewöhnliche Arbeit zu erbringen, sich körperlich fit zu halten und ständig weiterzubilden und eine handwerkliche Ausbildung mitbringen. Mit diesen Eigenschaften ist man bestens in unserem Team aufgehoben. Wir können es kaum erwarten, noch mehr kletterverrückte Kollegen bei uns zu begrüßen.“

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