Für mich bedeutet eine Speak-Up-Kultur, dass Mitarbeitende sich sicher, gehört und geschützt fühlen, wenn sie Bedenken äußern. Es geht nicht nur darum, eine Hotline zu haben. Es geht um Vertrauen."
Lisa Fulcher arbeitet als Director Compliance bei Bilfinger in den USA und leitet das Compliance- und Ethikprogramm. Von der Beratung in komplexen Ethikfragen bis hin zu Besuchen auf Industrieanlagen und der Stärkung einer offenen Meldekultur — sie sorgt dafür, dass Anliegen transparent und fair behandelt werden. Ihre Arbeit verkörpert den Bilfinger-Wert Verantwortung: mit Integrität handeln und auf jeder Ebene der Organisation das Richtige tun.
Frage 1: Können Sie uns etwas über Ihre Rolle bei Bilfinger erzählen und wie Ihr Arbeitsalltag aussieht?
Als Director Compliance bei Bilfinger verantworte ich die Umsetzung und Überwachung des konzernweiten Compliance- und Ethikprogramms in den USA. Im Arbeitsalltag bedeutet das, strategische Steuerung mit operativer Umsetzung in Einklang zu bringen. Ich berate Kolleginnen und Kollegen in komplexen Compliance-, Ethik- und Risikofragen, überwache die Einhaltung des Verhaltenskodex sowie Programme zur Korruptionsprävention und Untersuchungen, und stelle sicher, dass Themen gründlich, einheitlich und transparent bearbeitet werden.
Ein erheblicher Teil meiner Arbeit besteht außerdem darin, praktische Compliance-Tools und Schulungen zu entwickeln, die auf die Herausforderungen zugeschnitten sind, mit denen unsere Kolleginnen und Kollegen in der Region im Tagesgeschäft konfrontiert sind. Diese Werkzeuge und Schulungen lassen sich dadurch nahtlos in die operativen Abläufe integrieren. Eine weitere zentrale Aufgabe ist es, regulatorische Entwicklungen zu beobachten und die Unternehmensleitung dabei zu unterstützen, aufkommende Risiken frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, und dabei kontinuierlich eine ethische Unternehmenskultur zu fördern.
Frage 2: Was bedeutet für Sie eine „Speak-Up-Kultur” und wie fördern Sie diese?
Für mich bedeutet eine Speak-Up-Kultur, dass Mitarbeitende sich sicher, gehört und geschützt fühlen, wenn sie Bedenken äußern: ohne Angst vor negativen Konsequenzen und im Vertrauen darauf, dass Anliegen fair und professionell behandelt werden. Es geht nicht nur darum, eine Hotline zu haben. Es geht um Vertrauen.
Ich fördere diese Kultur, indem ich vertrauliche Meldemechanismen stärke, Untersuchungen zeitnah, objektiv und transparent durchführe und als Compliance-Verantwortlicher sichtbar und ansprechbar bin, also regelmäßig vor Ort auf den Baustellen. Transparenz ist dabei entscheidend: Die Menschen müssen verstehen, was passiert, nachdem sie ein Anliegen gemeldet haben. Darüber hinaus arbeite ich eng mit der Führungsebene und HR zusammen, um die klare Botschaft zu vermitteln, dass ethisches Verhalten und das Ansprechen von Bedenken auf allen Ebenen erwartet, unterstützt und wertgeschätzt werden.
Frage 3: Wie messen Sie die Wirksamkeit eines Compliance-Programms?
Ich schaue sowohl quantitative als auch qualitative Indikatoren. Quantitativ umfasst das Trends bei Meldungen über die Hotline, Untersuchungstrends, Schulungsabschlussquoten, Audit-Ergebnisse, Daten aus der Compliance Integrity Survey sowie wiederkehrende Risikothemen. Aber Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte.
Qualitativ beurteile ich das Engagement der Führungskräfte, das Feedback der Mitarbeitenden, die Qualität der gestellten Fragen und ob Compliance proaktiv konsultiert wird oder erst reaktiv hinzugezogen werden muss. Ein wirksames Compliance-Programm ist eines, das in die geschäftlichen Entscheidungsprozesse eingebettet ist, sich mit den regulatorischen Anforderungen weiterentwickelt und kontinuierliche Verbesserung zeigt. Nicht eines, das nur Häkchen setzt.
Frage 4: Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der eine Karriere im Bereich Compliance in Betracht zieht?
Mein Rat wäre, zu verstehen, dass Compliance genauso sehr mit Menschen und Urteilsvermögen zu tun hat wie mit Regeln und Vorschriften. Fundiertes Fachwissen ist wichtig, aber Glaubwürdigkeit, Integrität und die Fähigkeit, effektiv zu kommunizieren, machen letztlich den Erfolg aus.
Ich würde außerdem empfehlen, neugierig zu bleiben, bereichsübergreifende Beziehungen aufzubauen und frühzeitig Erfahrungen in den Bereichen Untersuchungen, Schulungen und Risikomanagement zu sammeln. Compliance-Fachleute bringen dann den größten Mehrwert, wenn sie das Geschäft und die Menschen verstehen, Risiken antizipieren und Führungskräften helfen, fundierte, ethische Entscheidungen zu treffen.
Frage 5: Wie sieht die Zukunft von Compliance bei Bilfinger aus?
Was Nordamerika betrifft, wird Compliance bei Bilfinger künftig zunehmend strategisch ausgerichtet, datengestützt und in die operativen Abläufe eingebettet sein. Ich sehe Compliance dabei, sich von einer klassischen Kontrollfunktion hin zu einem echten Geschäftspartner zu entwickeln, mit besserer Analytik, optimierten Schulungen und stärkerer Governance zur proaktiven Risikosteuerung.
Zudem gewinnen ethische Unternehmenskultur, Transparenz und Verantwortlichkeit an Bedeutung, insbesondere angesichts weltweit steigender regulatorischer Anforderungen. Mein Fokus liegt darauf, sicherzustellen, dass das Compliance-Programm skalierbar, praxisnah und auf die Geschäftsstrategie von Bilfinger abgestimmt bleibt, und gleichzeitig Vertrauen, Speak-up-Kultur und das Engagement der Führungsebene im gesamten Unternehmen weiter zu stärken.
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