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Julius Berger zum 150. Geburtstag

Andenken an Julius Berger

Vor 150 Jahren wurde Julius Berger geboren, Gründervater einer der drei Vorgängergesellschaften von Bilfinger. Zu seinem Andenken stiftet das Unternehmen einen Preis.

Bilfingers Wandel vom Bau- zum Engineering- und Servicekonzern ist nicht die erste bemerkenswerte Metamorphose in der langen Firmengeschichte. Die erste vollzog sich, als Julius Berger 1890 den Auftrag für den Bau einer gut zwei Kilometer langen Chaussee erhielt – er war eigentlich Inhaber eines Fuhrunternehmens, das er als nicht einmal Zwanzigjähriger von seinem Vater übernommen hatte. Fünf Jahre später gründete er seine erste Baufirma, aus der 1905 die Julius Berger Tiefbau AG und später die Bilfinger+Berger Bauaktiengesellschaft hervorgehen sollten.

Julius Berger war, was man heute einen Selfmademan nennen würde. Aus einer einfachen jüdischen Familie stammend, gelang ihm der Aufstieg zu einem der bedeutendsten Bauunternehmer der Weimarer Republik. Geboren 1862 im westpreußischen 3000-Seelen-Städtchen Zempelburg, 125 Kilometer südwestlich von Danzig, schickte ihn sein Vater bereits mit zwölf Jahren nach Berlin, um bei einer Ledergroßhandlung in die Lehre zu gehen. Drei Jahre später, 1878, kehrte er zurück in das Fuhrunternehmen der Familie. Statt Getreide transportierte er immer öfter Baumaterialien. Auf diese Weise – und durch seinen eigenen kleinen Chaussee-Auftrag – lernte er die Baubranche immer besser kennen. Als er genug gelernt hatte, wechselte er das Gewerbe.

1910 verlegte Berger seine Firma, die mittlerweile mit Straßen-, Kanalisations- und Eisenbahnbauarbeiten in den preußischen Ostprovinzen zu einem bedeutenden Unternehmen geworden war, nach Berlin. 1911 folgte der erste Auftrag im Ausland: Zwischen Zürich und Basel baute er den acht Kilometer langen Hauenstein-Basistunnel. Dieser Auftrag wurde zu einem Meisterstück, das Erfolgsprämien und gesellschaftliches Renommee brachte.

Baustelle des Teliu-Tunnels
Julius Berger war mit Leib und Seele Bauunternehmer. Das Bild zeigt ihn 1925 im Kreis von Mitarbeitern auf der Baustelle des Teliu-Tunnels in Rumänien.

Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Berger als Vertreter der deutschen Bauwirtschaft an den Friedensverhandlungen in Versailles teil. Würden Frankreich und Deutschland sich weiter voneinander entfernen, warnte er, würde das „sicher nicht zum Wohle des deutschen Volkes beitragen“. In der Weimarer Republik stieg seine Firma zu einem der wichtigsten Bauunternehmen auf. An der Erweiterung des Berliner U-Bahn-Netzes war Berger ebenso beteiligt wie am Ausbau des Königsberger Hafens und der Konstruktion von Neckar-Staustufen bei Heidelberg. Auch im Ausland war seine Firma zunehmend tätig, in der Türkei und dem Iran, in Rumänien und Ägypten.

Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten, erging es Julius Berger wie vielen anderen jüdischen Unternehmern. Unter dem Druck antisemitischer Propaganda trat er Ende 1933 als Vorstandsvorsitzender seiner Firma zurück. Zwei seiner Töchter wanderten nach Uruguay aus, den Sohn einer verstorbenen Tochter brachte er in der Schweiz in Sicherheit. Im September 1942 wurden Flora und Julius Berger ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie an Hunger und Entkräftung starben. Noch wenige Wochen vor der Deportation notierte Berger: „Ich habe nicht angenommen, dass ich, der ich in Deutschland geboren und erzogen wurde … und für das deutsche Wirtschaftsleben schon von jungen Jahren an eine erfolgreiche Tätigkeit ausübte, mein Vaterland würde verlassen müssen. Aus diesem Grunde habe ich die Auswanderung für mich und meine Frau nicht betrieben.“

Um das Andenken an diese große Unternehmerpersönlichkeit zu bewahren, stiftet Bilfinger den Julius-Berger-Preis. Mit dem Preis sollen mutige unternehmerische Initiativen zur Stadtentwicklung Berlins ausgezeichnet werden. Im Geiste seines Namensgebers soll er Anreiz sein, Berlin zu einem Ort kultureller und sozialer Vielfalt zu machen. Der Preis, den Bilfinger und der Verein Architekturpreis Berlin e.V. gemeinsam ausloben, wurde 2013 erstmals vergeben.

 

 

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