Bilfinger entwickelt innovatives Fernwärmekonzept für Kommunen und Industrie

15.10.2018

  • Bilfinger, ProCom und Nusser & Partner entwickeln neues Fernwärmekonzept ScaleGrid
  • Integration von industrieller Abwärme senkt CO2-Ausstoß
  • Versorger und Industrie profitieren von mehr Effizienz und Kostenkontrolle

Fernwärme als Nebenprodukt konventioneller Stromerzeugung aus Kohle, Öl und Gas: Diese Rechnung geht im Zuge der Energiewende immer weniger auf. Denn mittelfristig werden fossile Brennstoffe durch Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt. Der Industriedienstleister Bilfinger hat sich deshalb mit zwei Partnern zusammengetan, um die Fernwärmeversorgung mit dem Projekt „ScaleGrid“ fit für die Zukunft zu machen.

Christian Strondl, Geschäftsführer der Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik GmbH, erläutert das Konzept: „ScaleGrid nützt alle Beteiligten: Stadtwerke können aus Fernwärmenetzen mehr Geld schöpfen, Kommunen senken ihren CO2-Ausstoß, Industrieunternehmen verkaufen ungenutzte Energie und Verbraucher profitieren von einer störungsfreien und stabilen Wärmeversorgung zu attraktiven Preisen.“

Um die Wärmewende für alle Beteiligten attraktiv zu machen, setzt ScaleGrid auf die Einbindung industrieller Abwärme in die Fernwärmeversorgung sowie ein intelligentes Temperaturmanagement im Gesamtnetz. Bilfinger kooperiert dazu mit zwei Partnern: Der IT-Spezialist ProCom aus Aachen liefert umfangreiche Analysen des Energiemarkts und der Preisentwicklung; die Wiener Beratungsgesellschaft Nusser & Partner übernimmt die Kommunikation mit allen Anspruchsgruppen. Bilfinger bringt seine Erfahrung für eine optimale Energienutzung in Industrieunternehmen ein und sorgt für die komplette technische Entwicklung und Projektumsetzung.

Hintergrund von ScaleGrid ist das Problem, dass immer mehr Strom mit Hilfe von Sonnen- und Windenergie produziert wird. Abwärme entsteht bei diesem Prozess nicht – im Gegensatz zur Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Aus diesem Grund sind neue Modelle notwendig, um das Fernwärmenetz wirtschaftlich zu betreiben: Der Wende auf dem Strommarkt muss eine entsprechende Wende auf dem Wärmemarkt folgen.

ScaleGrid verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Eine intelligente Software von ProCom bildet dazu das Fernwärmenetz inklusive aller Rahmenbedingungen ab und prognostiziert Nachfrage, Wetter und Marktpreise. Auf dieser Basis können die Stadtwerke und die Industrieunternehmen entscheiden, welche Form der Energieerzeugung gerade wirtschaftlicher ist. Sind die Strompreise etwa sehr niedrig, lohnt es sich für kommunale Versorger kaum, die selbst produzierte Energie zu verkaufen. Stattdessen wird der Strom in Wärme umgewandelt und in speziellen Speichern gelagert, bis sie benötigt wird.

Unternehmen profitieren parallel davon, ihre industrielle Abwärme dezentral ins Netz einzuspeisen. Bilfinger optimiert dazu die Wärmeströme im Betrieb, identifiziert mögliche Einsparungen und bewertet, ob und in welchem Ausmaß sich die industrielle Abwärme weiter nutzen lässt. Das Potenzial ist hier aus Sicht von Christian Strondl noch lange nicht ausgeschöpft: „Bislang wurde der Abwärme als einem Nebenprodukt nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit ScaleGrid helfen wir Unternehmen, diese Effizienzlücke zu schließen.“

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei das Zusammenspeil aller relevanten Akteure. Vom ersten Kontakt mit der Stadt über Gespräche mit der ansässigen Industrie bis hin zu einer transparenten Öffentlichkeitsarbeit bei größeren Baumaßnahmen folgt die Einführung von ScaleGrid deshalb einem definierten Prozess, der nicht die technische Lösung im Fokus hat, sondern von Beginn an auf den Nutzen der beteiligten Parteien abzielt. „Dadurch erreichen wir eine breite Akzeptanz und bieten eine zukunftsweisende und nachhaltige Lösung für die kommunale Wärmeversorgung aus einer Hand an“, sagt Strondl.