Bilfinger 2020: Zurück zu profitablem Wachstum

13.02.2017

  • Aufstellung 2-4-6: Zwei Segmente, vier Regionen, sechs Industrien
  • Stabile Standbeine: Engineering & Technologies (E&T) und Maintenance, Modifications & Operations (MMO)
  • Entwicklungsphasen: Stabilisierung, Aufbau, Ausbau
  • Bereinigte EBITA-Marge bis 2020: Steigerung auf rund 5 Prozent

  • Geschäftsjahr 2016: Solide Performance in herausforderndem Umfeld, Prognosen erfüllt
  • Beabsichtigte Dividendenzahlung für Geschäftsjahr 2016: 1 €
  • Aktienrückkauf beabsichtigt: bis zu 150 Mio. € ab 2017

Bilfinger hat seine Strategie 2020 und den dazugehörigen Umsetzungsplan vorgestellt. Effektive Strukturen (2-4-6) bilden die Grundlage für profitables Wachstum. Zwei Geschäftsfelder: E&T und MMO. Vier Regionen: Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und Naher Osten. Sechs Industrien: Chemie & Petrochemie, Energie & Versorgung, Öl & Gas, Pharma & Biopharma, Metallurgie und Zement. Zunächst wird der Konzern stabilisiert, dann auf- und ausgebaut – organisch und über gezielte Akquisitionen. Die EBITA-Marge soll bis 2020 auf rund 5 Prozent steigen.

CEO Tom Blades: „In unseren Zielindustrien steigt die Anzahl an Anlagen und weltweit werden Anlagen älter und wartungsintensiver. Wir bündeln unsere eigenen Stärken sehr viel effektiver, um von dieser Entwicklung zu profitieren. Wir machen Anlagen fitter, stärken ihr Immunsystem und senken die Kosten. Wir richten uns dabei an den Anforderungen unserer Kunden aus und verbinden internationales Engineering mit regionaler Instandhaltung. Mit dieser Strategie werden wir profitabel wachsen, und das stärker als der Markt.“

Zwei Geschäftsfelder: Engineering & Technologies (E&T) und Maintenance, Modifications & Operations (MMO)

Bilfinger bündelt seine Leistungen in den Segmenten E&T und MMO. Im Geschäftsfeld E&T bietet Bilfinger unter anderem folgende Dienstleistungen an: Entwicklung und Erweiterung von Industrieanlagen, Steigerung der Effizienz von Anlagen sowie Umwelttechnologien, die Emissionen reduzieren. Das Geschäftsfeld MMO zielt darauf ab, Instandhaltungs-, Modifikations- und Betriebsprozesse im Auftrag der Kunden zu übernehmen. Ziel ist es, Anlagen effizienter zu machen, hohe Verfügbarkeiten zu sichern und Instandhaltungskosten zu senken.

E&T ist international aufgestellt. Leistungen werden in allen Kernregionen angeboten. MMO ist hingegen regional aufgestellt. Die Leistungen werden jeweils lokal angeboten und direkt beim Kunden erbracht. Das MMO-Geschäft wird in den vier definierten Regionen dezentral geführt.

Bilfinger hat die Märkte, auf die sich das Unternehmen konzentriert, genau analysiert. Die Zahlen des Marktmodells zeigen, dass die Kernregionen und Industrien sehr attraktiv sind und Potenzial für profitables Wachstum bieten. Die Anzahl neu gebauter Anlagen steigt jedes Jahr um 5 Prozent. Und der Anteil der Anlagen, die mehr als zehn Jahre alt sind und damit einen hohen Modernisierungsbedarf haben, beträgt 75 Prozent. Die Komplexität der Anlagen steigt zudem kontinuierlich, deshalb wächst der Bedarf an anspruchsvollen Wartungskonzepten. Zusätzlich erhöhen strengere Umweltstandards die Nachfrage nach besserer Effizienz und geringeren Emissionen. Der gesamte für Bilfinger relevante Contracted-Out-Markt wird bis 2020 bei 3,4 Prozent CAGR (Compound Annual Growth Rate) auf 143 Mrd. US$ anwachsen.

Vier Kernregionen

Bilfinger konzentriert sich mit seinem Leistungsspektrum auf die Regionen Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und Naher Osten. Der Contracted-Out-Markt in Kontinentaleuropa hat einen hohen Reifegrad und wächst nach Einschätzung von Bilfinger pro Jahr moderat mit ca. 2,1 Prozent. Höhere Wachstumsraten versprechen die Märkte in Nordwesteuropa und Nordamerika sowie insbesondere im Nahen Osten. In Europa ist Bilfinger unter den Industriedienstleistern der Prozessindustrie bereits seit vielen Jahren die Nummer 1.

Sechs Industrien

Bilfinger richtet den Blick speziell auf sechs Industrien, die für das Unternehmen das größte Potenzial für profitables Wachstum bieten:
(1) Chemie & Petrochemie, (2) Energie & Versorgung und (3) Öl & Gas, die zusammen mehr als 80 Prozent des aktuellen Umsatzvolumens betragen. Zudem konzentriert sich Bilfinger auf (4) Pharma & Biopharma, (5) Metallurgie und erstmals stärker auf (6) Zement.

Nachhaltiges und profitables Wachstum

Bilfinger baut auf drei wichtige Hebel, um Wachstum anzutreiben: (1) Der Share of Wallet in etablierten Marktsegmenten wird erweitert, beispielsweise durch eine stärkere und weltweite Marktdurchdringung des Bilfinger Maintenance Concepts – bei Bestandskunden und möglichen Neukunden. (2) Darüber hinaus wird Bilfinger mit innovativen und digitalen Anwendungen neue Marktanteile gewinnen, wie 3D-Laser-Scanning, 3D-Anlagenplanung oder Scrubber-Verfahren. (3) Ferner wird Bilfinger mit der Fokussierung auf ausgewählte Regionen und Industrien seine Kapazitäten effektiver und effizienter bündeln – und mehr als 20 Wachstumsinitiativen starten.

Stabilisierung, Aufbau, Ausbau

Im Geschäftsjahr 2017 wird der Schwerpunkt der Aktivitäten darauf gerichtet, die Unternehmensstruktur zu straffen, Best-Practice-Erfahrungen konzernweit umzusetzen und das gesamte Leistungsspektrum bei E&T und MMO auszurollen. Sobald Geschäftsbereiche die Phase der Stabilisierung erfolgreich durchlaufen haben, folgt die Aufbauphase. In dieser Periode wird die Performance des Konzerns gesteigert, gegebenenfalls auch durch gezielte Bolt-On-Akquisitionen. In der darauffolgenden Ausbauphase werden das organische Wachstum weiter vorangetrieben und passende Akquisitionen in den Zielregionen ins Visier genommen.

Klare Finanzziele für 2020, Aktienrückkauf beabsichtigt

Bilfinger geht davon aus, dass durch die Neuausrichtung des Konzerns das Unternehmen bis 2020 jährlich um durchschnittlich mindestens 5 Prozent wächst, ausgehend von der Leistung 2017. Geplant ist, die Verwaltungs- und Vertriebskosten in Relation zum Umsatz um rund 3 Prozentpunkte auf das Benchmark-Niveau von rund 7,5 Prozent zu senken und die Bruttomarge um ca. 2 Prozentpunkte zu verbessern. Angestrebt wird eine bereinigte EBITA-Marge von rund 5 Prozent, die bis 2020 erreicht werden soll. Daraus ergibt sich ein Return on Capital Employed nach Steuern von 8 bis 10 Prozent. Erwartet wird, dass der bereinigte Free Cashflow spätestens ab dem Geschäftsjahr 2018 positiv sein wird und mittel- bis langfristig wieder ein Investment Grade Rating erreicht wird.

Das Management verfolgt eine nachhaltige Dividendenpolitik, die eine Untergrenze in Höhe von 1,00 € pro Aktie für die folgenden Geschäftsjahre vorsieht. Unter Berücksichtigung der absehbaren mittelfristigen Entwicklung des Unternehmens ist beabsichtigt, künftig einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses auszuschütten.

Das Unternehmen plant, seinen Bestand an eigenen Aktien in Höhe von rund 4 Prozent, abzüglich der für die Mitarbeiteraktienprogramme benötigten Aktien, einzuziehen. Darüber hinaus soll der Hauptversammlung vorschlagen werden, einer neuen Ermächtigung zum Rückkauf eigener Aktien in Höhe von bis zu 10 Prozent zuzustimmen. Der Vorstand beabsichtigt auf Basis der erwarteten Geschäftsentwicklung, dem Aufsichtsrat auf dieser Grundlage ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 150 Mio. € vorzuschlagen, das im Geschäftsjahr 2017 begonnen werden soll.

Geschäftsjahr 2016: Bilfinger mit solider Performance

In einem herausfordernden Umfeld hat Bilfinger 2016 eine solide Performance gezeigt. Dabei war das Geschäftsjahr 2016 von weitreichenden Veränderungen gekennzeichnet. Der Verkauf der Divisionen Building, Facility Services und Real Estate sowie Änderungen im Verkaufsprozess des Geschäftsfelds Power machten zur Jahresmitte eine Anpassung im Berichtswesen erforderlich.

Das Geschäft im Segment Industrial war von geringeren Projektvolumina und der verhaltenen Marktsituation im Öl- und Gassektor geprägt. Im Segment Power führte ein Rückgang in den Heimatmärkten sowie im deutschen und internationalen Projektgeschäft zu einer verringerten Leistung.

Leistung deutlich rückläufig, Ergebnis deutlich verbessert

Wie erwartet, war die Leistung im Geschäftsfeld Industrial mit 3.197 (Vorjahr: 3.650) Mio. € und im Geschäftsfeld Power mit 967 (Vorjahr: 1.284) Mio. € stark rückläufig. Im Zuge dessen verminderte sich auch die Konzernleistung deutlich auf 4.219 (Vorjahr: 5.003) Mio. €. Der Auftragseingang ging auf 4.056 (Vorjahr: 4.301) Mio. € zurück, der Auftragsbestand lag zum Jahresende bei 2.618 (Vorjahr: 2.902) Mio. €.

Trotz des deutlichen Leistungsrückgangs hat sich das bereinigte EBITA erwartungsgemäß deutlich auf 15 (Vorjahr: -23) Mio. € verbessert. Im Geschäftsfeld Industrial lag das bereinigte EBITA bei 120 Mio. €. Auf vergleichbarer Basis – bereinigt um Entkonsolidierungs- und Wechselkurseffekte – belief sich das EBITA wie im Vorjahr auf 128 Mio. €. Dabei konnte die Marge auf 3,7 (Vorjahr: 3,5) Prozent gesteigert werden. Im Geschäftsfeld Power hat sich das bereinigte EBITA mit -30 (Vorjahr:
 -69) Mio. € deutlich verbessert, war allerdings weiterhin negativ. Die bereinigte EBITA-Marge lag hier bei -3,1 (Vorjahr: -5,3) Prozent.

Damit wurden die abgegebenen Prognosen für die Entwicklung von Leistung und bereinigtem EBITA erreicht.

Das Konzernergebnis konnte erheblich auf 271 (Vorjahr: -510) Mio. € verbessert werden. Dazu hat wesentlich der Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf der Divisionen Building, Facility Services und Real Estate in Höhe von 538 Mio. € beigetragen. Dem standen Belastungen vor allem durch Restrukturierungsaufwendungen und Verluste im Zuge von Portfoliobereinigungen, Restrukturierungsprogrammen und die Weiterentwicklung des Compliance-Systems gegenüber. Im Vorjahr waren zusätzlich eine Firmenwertabschreibung in Höhe von 330 Mio. € und höhere operative Verlusten im Segment Power angefallen.

Ausblick

Im Geschäftsjahr 2017 rechnet Bilfinger auf Konzernebene mit einem organischen Wachstum des Auftragseingangs, erwartet jedoch einen Rückgang der organischen Leistung im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Der Konzern geht davon aus, dass sich die bereinigte EBITA-Marge um rund 100 Basispunkte verbessern wird.

Beabsichtigte Dividendenzahlung für Geschäftsjahr 2016: 1 €

Mit Blick auf die solide Bilanz sowie die geplante positive Unternehmensentwicklung beabsichtigt der Vorstand – vorbehaltlich einer entsprechenden Beschlussfassung des Aufsichtsrats – der Hauptversammlung trotz des negativen bereinigten Konzernergebnisses vorzuschlagen, für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende von 1,00 € je Aktie auszuschütten. Gemessen am Jahresschlusskurs 2016 ergibt sich eine Dividendenrendite von 2,7 Prozent.

Vorläufige Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €4. Quartal1. - 4. Quartal
20162015∆ in %20162015∆ in %
Auftragseingang1.0691.011+64.0564.301-6
Auftragsbestand2.6182.902-102.6182.902-10
Leistung1.0581.313-194.2195.003-16
EBITA bereinigt722-6815-23
EBITA-Marge bereinigt (in%)0,71,70,4-0,5
Bereinigtes Konzernergebnis aus fortzuführenden Aktivitäten-411-8-30
Bereinigtes Ergebnis je Aktie aus fortzuführenden Aktivitäten (in €)-0,080,25-0,17-0,68
Konzernergebnis-535271-510
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit22149-85-22439
Bereinigter Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit54188-71-71173
Investitionen in Sachanlagen251567706213
Mitarbeiter36.94642.365-1336.94642.365-13

Bilfinger ist ein international führender Industriedienstleister. Der Konzern steigert die Effizienz von Anlagen, sichert hohe Verfügbarkeit und senkt die Instandhaltungskosten. Das Portfolio deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: von Consulting, Engineering, Fertigung, Montage, Instandhaltung, Anlagen-Erweiterung und deren Generalrevision bis hin zu Umwelttechnologien und digitalen Anwendungen.

Das Unternehmen erbringt seine Leistungen in zwei Geschäftsfeldern: Engineering & Technologies sowie Maintenance, Modifications & Operations. Bilfinger ist speziell in den Regionen Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und Naher Osten aktiv. Die Kunden aus der Prozessindustrie kommen u.a. aus den Bereichen Chemie & Petrochemie, Energie & Versorgung, Öl & Gas, Pharma & Biopharma, Metallurgie und Zement. Bilfinger steht mit rund 37.000 Mitarbeitern für höchste Sicherheit und Qualität und erbringt eine jährliche Leistung von etwa 4 Mrd. €.

Live-Übertragung für Medien (Deutsch): Dienstag, 11.00 Uhr MEZ
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Telefonkonferenz für Analysten (English): Dienstag, 14.00 Uhr MEZ
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