Bianca Matt

Schöne Schwerstarbeit – mit Hund im Altersheim

Alle zwei Wochen ist Rosi der Star. Dann besucht die Labradorhündin mit ihrer Besitzerin Bianca Matt ein Altersheim in Mannheim, spielt mit den Bewohnern und lässt sich streicheln. Für die alten Menschen ist es eine willkommene Abwechslung im Alltag, für Rosi und ihre Besitzerin „schöne Schwerstarbeit“.

Bianca Matt besucht mit ihrer Labradorhündin Rosi regelmäßig ein Altersheim in Mannheim.

Angefangen hat alles im April 2014, als Matt Werksstudentin für Bilfinger im Bereich Corporate HR war. Ihre Hundetrainerin, die auch Therapiehunde der Malteser ausbildet, machte die junge Frau auf ihre Arbeit aufmerksam. Über Bianca Matts Mutter, zu diesem Zeitpunkt Alltagsbegleiterin in einem Altersheim in Mannheim, entstand der Kontakt zur Einrichtung. „Mir gefiel die Vorstellung, dass auch andere Menschen etwas von Rosi haben können, von ihrer Verspieltheit und ihrer Zuneigung“, sagt die 29-jährige. „Außerdem ist Rosi sehr agil und sollte lernen, sich auch mal zurückzunehmen.“

Die Ausflüge ins Altersheim sind eine Herausforderung für beide. Auf die fast vier Jahre alte Hündin warten fremde Gerüche, seltsame Geräusche, Geräte wie Rollatoren und Rollstühle. Bianca Matt hingegen muss extrem darauf achten, dass Rosi aufs Wort hört, nicht überall schnüffelt, leckt oder sich langweilt. „Nur streicheln reicht nicht“, betont sie. Deshalb ist Rosis Plüschschwein immer mit im Gepäck. Wenn die Bewohner es in die Hand nehmen, ist ihnen Rosis Aufmerksamkeit gewiss. Das Kuscheltier fliegt durch die Luft, wird wieder aufgefangen und durchgeschüttelt. „In diesen Momenten spürt man einfach nur Freude“, sagt Matt.

Maximal 30 Minuten sind Bianca Matt und Rosi alle zwei Wochen im Altersheim. Immer am Wochenende, denn seit fast eineinhalb Jahren arbeitet Matt als Junior HR Business Partner bei der Bilfinger Global IT. „Nach den Besuchen muss Rosi erst mal Dampf ablassen. Dann darf sie sich austoben, muss für einen Moment nicht hören, und zu Hause schläft sie meist erschöpft ein“, berichtet die Bilfinger-Mitarbeiterin. „Daran kann man sehen, wie anstrengend diese Zeit für sie ist.“ Und auch sie selbst atmet einmal tief durch: „Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit Demenzkranken. Wenn ich aus dem Heim zurückkomme, bin ich immer ein wenig sentimental und ziehe meinen Hut vor den Menschen, die jeden Tag dort sind, die Bewohner pflegen und für sie da sind.“

Einen besonders emotionalen Moment im Altersheim schildert Bianca Matt so: „Es gab eine Bewohnerin, die nicht mehr mobil und nicht mehr ansprechbar war. Eine Pflegerin wusste aber, dass die Frau früher Hunde hatte und gemeinsam mit meiner Hundetrainerin haben wir sie dann in ihrem Zimmer besucht. Wir legten eine Decke auf das Bett, Rosi sprang drauf und legte sich neben die Frau. Sie spürte den Hund, bewegte ganz leicht ihre Hand und Rosi stupste sie mit der Schnauze an und schob ihren Kopf weiter in die Hand der Frau, bis sie Rosi hinter dem Ohr mit einem Finger streichelte. Hund und Mensch kommunizierten auf ganz besondere Weise.“

Bianca Matt ist sich sicher, dass viele unterschätzen, welche Wirkung Tiere haben können: „Wenn Rosi ins Heim kommt, geht für die Bewohner die Sonne auf. Dass ich meine Freude am eigenen Hund teilen kann, macht mich glücklich. Und wenn ich später einmal im Altersheim sein sollte, würde auch ich mich sehr über tierischen Besuch freuen.“

Es gibt spezielle Ausbildungen für Hunde, die Besuche im Altersheim machen. Eine solche hat Rosi nicht, allerdings ist sie schon seit dem Welpenalter an Hundeschule, Hundeplatz und Training gewöhnt. Gerade Labradore sind für solche Einsätze geeignet, weil sie gern interagieren und gefallen wollen.

„Wenn Rosi ins Heim kommt, geht für die Bewohner die Sonne auf."

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