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MALMÖ ERFINDET SICH NEU

METROPOLREGION AM ÖRESUND

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DAS SCHWEDISCHE MALMÖ WÄCHST DURCH ÖRESUNDBRÜCKE UND CITY-TUNNEL MIT DEM SCHICKEN KOPENHAGEN ZUSAMMEN.

Vor zwanzig Jahren versuchte die örtliche Tageszeitung „Sydsvenskan“ den Einwohnern von Malmö mit einer Kampagne Selbstvertrauen einzuflößen. In der Stadt mit ihrem hohen Ausländeranteil ließ die Zeitung T-Shirts mit der Aufschrift drucken: „If you have seen Malmö, you have seen the world.“ Darauf tauchten in Lund, der benachbarten Universitätsstadt, Shirts mit einer spöttischen Antwort auf: „If you have seen Lund, you don’t have to see Malmö.“

Die kleine Begebenheit zeigt, wie die Schweden lange über ihre drittgrößte Stadt dachten. Lund ist gelehrt, Göteborg geschäftig und Stockholm vornehm, Malmö aber war immer das proletarische Schmuddelkind. Anfang der 1960er Jahre lief dort in der Kockums-Werft jeden Monat ein neues Schiff vom Stapel, doch ab den 1970er Jahren war der Niedergang der Industrie nicht mehr aufzuhalten: Das Schmuddelkind wurde zum Sorgenkind Schwedens.

BILDUNGSSTANDORT
Heute spottet niemand mehr über Malmö. Die Zeiten von Fabrikschließungen und hoher Arbeitslosigkeit sind vorbei. Die Stadt strotzt vor Selbstbewusstsein: Sie hat in den vergangenen fünfzehn Jahren einen Wandel durchgemacht, von dem andere Städte mit alten Industrien in Europa lernen können. Die einstige Arbeiterstadt entpuppt sich als eine postindustrielle Universitäts-, Dienstleistungs- und Kulturstadt voller Leben und Dynamik.

Als die Stadtväter in den 1990er Jahren erkannten, dass das Industriezeitalter für Malmö unwiederbringlich vorbei war, setzten sie auf neue Infrastrukturen, mit denen der Dienstleistungssektor, Kultur und Bildung gefördert werden sollten. Der Aufbruch wurde sichtbar, als Malmö im Jahr 1998 seine Hochschule bekam, denn mit ihr kamen zunächst 5000 Studenten, die fortan das Stadtbild mitprägten. Mittlerweile studieren 23 000 junge Leute an der Universität.

METROPOLREGION AM ÖRESUND
Zur Jahrtausendwende eröffnete die Öresundbrücke, die ein wichtiger Motor für Malmös Zukunft wurde. Vorher war das Pendeln zum benachbarten Kopenhagen mühsam gewesen, denn es bestand nur eine Fährverbindung. Durch die Brücke rückten Dänemark und Schweden enger zusammen. Die vergleichs weise günstigen Mieten auf der schwedischen Seite zogen dänische Familien an und Malmö verjüngte sich weiter.

Im Jahr 2001 lieferte die internationale Bauausstellung Bo01 den Startschuss für die Revitalisierung des Västra Hamnen, des Westhafens. Wo früher die Kockums- Werft lag, schufen nun international bekannte Architekten Referenzprojekte. Dazu zählt insbesondere das neue Wahrzeichen Malmös, der „Turning Torso“ des Spaniers Santiago Calatrava. Der 190 Meter hohe Wohnturm mit seiner in sich gedrehten Fassade aus weißem Aluminium ist Schwe dens höchstes Gebäude, ein „Symbol für den Aufbruch unserer Stadt“, sagt Hans Olsson. Als Stadtplaner hat Olsson die Entwicklung des Westhafens mitgeprägt, jetzt ist er pensioniert und führt Touristen durch das Vorzeigeviertel. Mittlerweile trifft sich an der Strandpromenade des Westhafens in den Mittagspausen ein buntes Völkchen: Studenten aus den nahen Universitätsinstituten, IT-Fachleute der neu angesiedelten Software- Schmieden und Pensionäre, die sich hier ein Apartment und den Ausblick aufs Wasser leisten können. Auf dem Sund ziehen Tanker und Containerschiffe vorbei, und die knapp acht Kilometer lange majestätische Öresundbrücke mit ihren mächtigen Pylonen und den harfenförmig gespannten Stahlkabeln streckt sich in Richtung Kopenhagen. In den Stoßzeiten kommen alle zehn Minuten Züge über die Brücke nach Malmö. Sie tauchen in den neuen City-Tunnel ein, der sie unter der Stadt hindurch zum Hauptbahnhof bringt. Der innerstädtische Nahverkehr ist durch zwei zusätzliche unterirdische Haltestellen an die Bahnlinie angebunden. So sind mit der Eröffnung des Tunnels, an dessen Bau auch Bilfinger Berger erheblich beteiligt war, die Stadtzentren von Malmö und Kopenhagen auf 30 Minuten zusammengerückt. Zwanzigtausend Berufspendler überqueren täglich den Sund, Prognosen gehen davon aus, dass sich ihre Zahl innerhalb der nächsten zehn Jahre nahezu verdoppeln wird. So verschmelzen Malmö und Kopenhagen immer mehr zu einer gemeinsamen Metropolregion. Auch Malmö selbst wächst stetig – allein im Jahr 2010 um fast sieben Prozent – und verjüngt sich dabei. Die meisten Zuzügler sind unter dreißig, die Geburtenrate ist hoch. Fünftausend Kinder kamen im Vorjahr zur Welt, ein Rekord. Seit Neuestem hat Malmö die 300 000-Einwohner- Marke geknackt. Das feierten die Bürger im März 2011 mit einem großen Fest auf dem Stortorget, dem zentralen Platz in der Altstadt. Sehr viele Gäste waren Kinder. So gab es zur Feier des Tages statt Freibier Luftballons und jede Menge Schokoladenkuchen.

Text: Clemens Bomsdorf, Fotos: Uffe Weng
Bilfinger Berger Magazin 2/2011

In Malmö und Stockholm ist Bilfinger Berger an großen Infrastrukturprojekten beteiligt.mehr