IN DER STUDENTENSTADT TÜBINGEN IST SELBST DEUTSCHLANDS GRÖSSTER DICHTER NICHT VOR SPOTT SICHER. EIN STUDENTENSTREICH DER ACHTZIGERJAHRE ZÄHLT HEUTE ZUM KULTURGUT DER STADT.
Der große Dichter Goethe ist in Deutschland immer gegenwärtig. Es gibt Hunderte von Goethe-Gymnasien und Goethestraßen, und wo immer der Gelehrte seinen Fuß hinsetzte, hängen Gedenktafeln. So auch am Haus der Münzgasse 15 in Tübingen, wo eine steinerne Tafel wissen lässt: „Hier wohnte Goethe“, nämlich 14 Tage lang, als er auf dem Weg nach Italien einst Johann Friedrich Cotta besuchte, den großen Verleger der deutschen Klassik. Im Jahr 1986 inspirierten die Touristen, die zum Cottahaus pilgerten, die Studenten des benachbarten Wohnheims, ein nicht minder informatives Schild aus dem Fenster zu hängen: „Hier kotzte Goethe“. Dabei mag die Provokation einen Kern Wahrheit enthalten, denn Goethe soll lange Abende in den Wirtshäusern von Tübingen verbracht haben. Längst ist das Ulk-Schild bekannter als das Original, und für Stadtführer ist ein Hinweis darauf häufig Schlusspointe ihrer Führung. Inzwischen ist das alte Sperrholzschild jedoch arg ramponiert, deshalb soll nun ein neues angebracht werden, aus klassischem Gedenktafelmaterial: Das neue Schild wird aus Carrara-Marmor sein.
Text: Bernd Hauser, Fotos: Heinz Heiss
Bilfinger Berger Magazin 1/2011






