BRUNO GRUBER IST EIN BAYERISCHER DANIEL DÜSENTRIEB. WIE DER GENIALE KONSTRUKTEUR IN DEN GESCHICHTEN VON WALT DISNEY ARBEITET ER ALS ERFINDER.
Eine Mausefalle, so riesig wie ein Fußballfeld. Ein Ozeandampfer, der in einem Fingerhut kreuzen könnte: Manchmal stellt sich Bruno Gruber Gegenstände besonders groß vor oder besonders klein. „So kommen mir die besten Ideen“, sagt er.
Bruno Gruber, 70, ein Mann mit verschmitztem Lächeln, erfindet seit 33 Jahren für den Haushalt und für Unternehmen: Dinge, die nützlich sind, und manchmal auch solche, die der Mensch nicht unbedingt braucht. Er besitzt genau 100 Patente und hat 471 weitere angemeldet. Früher war er Funktechniker, Tunnelbauer in Australien, Luft- und Raumfahrt-Ingenieur in Kalifornien, und als ihm der Kopf schier geplatzt ist vor lauter eigenen Ideen, die seine Firmen nicht haben wollten, hat er sich selbstständig gemacht. „Erfinden ist gar nicht so schwierig“, sagt Gruber. „Man fängt ja meist nicht von vorne an, sondern kombiniert einfach bekannte Dinge.“
In seinem Häuschen in Olching bei München ist ihm zum Beispiel der Wendebesen eingefallen, der zwischen Stiel und Besenstück eine schwenkbare Vorrichtung hat und so auch in die Ecken hinterm Schrank passt. Oder das Etikettenpflaster, das über lästige Etikettenreste geklebt wird, um sie zu entfernen. Es sieht aus wie ein normales Pflaster, ist aber mit Lösungsmittel getränkt. „Draufkleben, abziehen, fertig.“ Beim Rosenschneiden fiel ihm ein: Wie wären Gartenhandschuhe, mit denen man Laub fegen kann? Kleine Besen an den Fingern vielleicht? Aber die sind schlecht abwaschbar, also eher Hartgummiplättchen: Flugs baut Bruno Gruber in seiner Werkstatt einen Prototypen.
KAUGUMMI FÜR FISCHE
Einmal wollte er seinen Enkeln ein Aquarium schenken, kaufte sich aber zuerst selbst eines, um den Kindern die Fischpflege erklären zu können. „Ich habe festgestellt, dass es den Fischen sehr langweilig ist“, sagt Bruno Gruber. Also entwickelte er den Kaugummi für Fische – rund und winzig, mit Pfefferminzgeschmack. „Menschen kauen Kaugummi ja auch zum Vergnügen“, sagt er. Außerdem: Per Kaugummi können den Tieren gezielt Medikamente gefüttert werden.
SUPPE OHNE EINLAGE
Acht bis zehn Erfindungen im Jahr macht Bruno Gruber, die er auf Erfindermessen wie der iENA in Nürnberg vorstellt. Im Schnitt verkauft er jährlich zwei davon. Oft sind es Kleinigkeiten. Ein Miniatur-Zollstock beispielsweise. Oder ein Suppenlöffel mit einem integrierten Sieb, falls man nur noch Einlage möchte, aber keine Brühe .
Alle paar Jahre landet Gruber einen Coup und verkauft eine große Erfindung an Unternehmen. Eine Industriepumpe beispielsweise oder einen Hochspannungstransformator. Sein größter Erfolg war eine Anlage, um Teiche mit Sauerstoff zu versorgen: Sie besteht aus einem vibrierenden Lochblech, durch das Luft geleitet wird. Durch die Vibration entstehen sehr feine Bläschen. 225 000 Euro hat ihm der Verkauf des Patents gebracht. Davon und von Lizenzeinnahmen lebt er und zahlt Gebühren für seine vielen Patente: 60 Euro für die Anmeldung, 350 Euro für den Prüfungsantrag, ein paar Tausend Euro für den Patentanwalt.
Seine Erfindungen sind oft simpel, „und das ist auch das Problem“, sagt Gruber. Kürzlich hat er eine Waschmaschine entwickelt, die im Handel nicht mehr als 50 Euro kosten würde. Eine einfache Plastikwanne mit Vibratoren im Boden, die das Waschmittel verteilen und die Wäsche durchrütteln. „Funktioniert einwandfrei“, sagt Bruno Gruber,„aber große Hersteller haben daran kein Interesse, denn dann würde ja keiner mehr eine Waschmaschine für 400 Euro kaufen.“ Die Macht des Geldes und die Ohnmacht des Erfinders: ein großes Thema für Bruno Gruber.
Trost spendet da zumindest der Ruhm: Bruno Gruber ist mit der Rudolf-Diesel-Medaille des Deutschen Instituts für Erfindungswesen ausgezeichnet worden. Hier steht er nun in einer Reihe mit großen Erfindern wie Bauknecht, Wankel oder Zuse. Mit seiner Pflanzenzucht schaffte er gar einen Eintrag ins „Guinnessbuch der Rekorde“: „Einmal habe ich eine Mini-Sonnenblume gezogen, nur acht Zentimeter hoch, mit Mini-Blättern, Mini-Blüte und Mini-Stiel“. Der Trick: „Sie wächst im Topf innerhalb eines kleinen und sehr feinen Siebes, das den Wurzelballen klein hält.“ In seiner Werkstatt reihen sich Dutzende Mini-Pflanzen in einem Regal auf – Gummibäume, so groß wie Gänseblümchen, eine Karotte, die wunderbar in einen Playmobil-Haushalt passen würde. Sogar Mini-Kartoffeln hatte er mal, nur fünf Millimeter groß. „Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln“, sagt Bruno Gruber und lacht. „Aber ich hab die kleinsten.“
Text: Anna Hunger, Fotos: Christoph Püschner, Michael Himpel,
Illustration: Helena Fischer
Bilfinger Berger Magazin 1/2012







