Matthias Blanck sorgt dafür, dass andere nicht ins Schwitzen kommen. Der 28-Jährige kümmert sich im Hochbau-Team des Building Technology Center um Bauphysik. Er besucht verschiedene Baustellen, prüft Akustik und Schallschutz von Gebäuden, untersucht vor Ort das Raumklima, misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit. „Dazu habe ich immer einen Koffer mit Messinstrumenten im Gepäck“, sagt Blanck. So kam ihm auch die Idee zu seiner Arbeit für den Nachwuchspreis.
„Fast jeder kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. Bei einer Temperatur über 26 °C, einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer Lärmquelle in der Nähe fällt es schwer, sich zu konzentrieren geschweige denn effektiv zu arbeiten“, sagt Blanck. Aus diesem Grund fordern viele Auftraggeber bei Bau- und Betreiberprojekten inzwischen Gewährleistungen für bestimmte Raumtemperaturen, insbesondere im Sommer. So soll in Deutschland die Raumtemperatur 26 °C nicht überschreiten, - es sei denn, die Außentemperatur steigt auf über 32 °C an. In solchen Fällen muss die Raumtemperatur mindestens 6 °C unter der Außentemperatur liegen. „Werden die Grenzwerte nicht eingehalten, kann dies zu Auseinandersetzungen führen, beispielsweise wenn die Nutzer Nachbesserungen auf Kosten des Vermieters verlangen“, erklärt Blanck.
In einigen Bauvorhaben werden daher thermische Simulationen eingesetzt, um Vertragspflichten auf Basis von Berechnungswerten festzulegen. „Die Ergebnisse der Simulationen hängen jedoch wesentlich von den verwendeten Klimadatensätzen ab. Und die können sehr unterschiedlich sein“, so Blanck. Für den Nachwuchspreis lotete er daher die Möglichkeiten und Grenzen solcher Simulationen aus. „Dafür habe ich neben den Werten eines durchschnittlichen Sommers auch Klimawerte aus dem Jahrhundertsommer 2003 verwendet“.
Das Fazit seiner Untersuchung: Die Kollegen müssen auch wenn es um hohe Temperaturen geht einen kühlen Kopf bei der Vertragsgestaltung bewahren. Statt Standard-Werte zu verwenden, sollten in Zukunft zusammen mit dem Auftraggeber geeignete Simulationen und Datensätze ausgewählt werden. Auch das Bauvorhaben als Ganzes spielt eine Rolle. „Wenn ich für einen heißen Sommer gewappnet sein will, kann das zum Beispiel heißen, dass ich bei der Konzeption der Gebäudegeometrie, der Fassade oder der technischen Ausstattung die extremen Anforderungen einplanen muss.“ So könne einerseits Energie gespart und trotzdem ein angenehmes Raumklima gewährleistet werden.
Im Hochbau ist die Raumtemperatur jedoch nicht nur aus rechtlicher Hinsicht interessant. Denn dort arbeiten die Kollegen generell an der Behaglichkeit von Gebäuden. Während der Laie bei diesem Wort vielleicht an ein gemütliches Sofa denkt, geht es den Bauphysikern um Effizienz. Wenn ein Bürogebäude geplant wird, sollen die Eigentümer oder Mieter es anschließend optimal nutzen können. Und am besten lässt es sich nun einmal bei angenehmen Bedingungen arbeiten. Deshalb wird hier das Gesamtpaket untersucht. „Wir prüfen die Akustik im Raum, wie gut die Anwesenden vor Lärm und Nebengeräuschen geschützt sind und versuchen alle Aspekte zu berücksichtigen“, erklärt Blanck. Am nächsten Tag macht er sich wieder auf den Weg, um die nächsten Informationen zu sammeln. Diesmal fährt er ins Labor nach Hildesheim, um die Schalldämmung von Gipskartonwänden zu untersuchen.

