

Im Steuerraum ist es fast so eng wie hinter dem Steuer eines Ferraris. Ein kleiner Metallcontainer vorne im Schild ist Gustav Kupkowskis Arbeitsplatz. Das Kontrollpult wirkt für eine so große Maschine relativ übersichtlich. Der Geräteführer geht hoch konzentriert zur Sache, denn ich lenke im Grunde blind. Wohin er sich durch den Untergrund gräbt, kann Kupkowski nur anhand der elektronischen Messanzeigen und Monitore ablesen. Der Mix-Schild verfügt über einen Laser, der den korrekten Weg misst. Die momentane Position der Maschine wird im Computer laufend mit den programmierten Soll-Werten der Trasse verglichen.
Zwischen den Baggern graben die Archäologen
Bilfinger Berger baut insgesamt sechs unterirdische Bahnhöfe und eine Station über Tage. Zusammengenommen handelt es sich beim Kölner U-Bahn-Bau um das derzeit größte innerstädtische Bauprojekt in Deutschland. Das verdeutlichen auch die technischen Dimensionen: Neben modernen Hydro-Mix-Schilden fordert dieser Auftrag den Einsatz der ganzen Palette anspruchsvoller Spezialverfahren. So wird an einigen Stellen der Boden vereist, um seine Tragfähigkeit während der Bauphase zu erhöhen und Grundwasser fernzuhalten.
Zudem sind alle Baustellen für die U-Bahn-Stationen als Bodendenkmal der Stadt Köln eingetragen, eine spezielle Herausforderung für die Ingenieure. Archäologen überprüfen den gesamten Bauabschnitt. Zwischen den Baggern suchen sie mit Pinsel und Schäufelchen nach Überresten aus Kölns wechselvoller Geschichte und werden tatsächlich fündig: Tonkrüge, Mauerreste, aber auch Schädel, Knochen, ja ganze Skelette aus der Römerzeit legen die Altertumsforscher frei und retten sie für die Nachwelt. Im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus war Köln eine der bedeutendsten Städte nördlich der Alpen. Damals führte eine Fernstraße entlang der heutigen U-Bahn-Trasse. Die römische Verkehrsader erlangt also wieder Bedeutung für Köln und seine Bewohner. Diesmal als schnelle, unterirdische Verbindung in die City.
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